Repression gegen Gipfel-Radio in Rio de Janeiro

Behörde versucht Radio des Gipfels der Völker zu schließen. Radioaktivisten senden weiter vom Gegengipfel zur Rio+20-Konferenz

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Militärpolizei im Zelt des Gipfel-Radios
Polizisten versuchen in die Sendestation des Gipfel-Radios einzudringen

Rio de Janeiro. Polizeieinheiten und Vertreter der brasilianischen Telekommunikationsbehörde Anatel haben am Sonntag in Rio de Janeiro versucht, das Radio des "Gipfels der Völker" zu schließen. Als Begründung führt die Behörde an, dass der Sender die Kommunikation des nahe gelegenen Flughafens störe. Die lokalen Radioaktivisten wiesen dies unter anderem mit dem Verweis auf die geringe Stärke (25 Watt) des von ihnen verwendeten Senders entschieden zurück.

Gegen 14:30 Uhr (Ortszeit) versuchte die Polizei den Sender des Gipfel-Radios zu beschlagnahmen. Sie wurde aber von einer Menschenkette, die sich um das Radio gebildet hatte, abgehalten. Zwei Stunden später erschien die Polizei erneut vor dem Radio und fragte nach dem Verantwortlichen für das Radio. Der Moderator gab die Frage an die Zuhörer weiter und ein Großteil der Zuhörer bekräftigte lautstark seine Verantwortung für das Radio. Die Aussage war mehr als klar: "Das Radio gehört allen und wird von allen getragen!"

Nachdem sich die Nachricht von der drohenden Schließung des Gipfel-Radios verbreitet hatte fanden sich zahlreiche Aktivisten am Ort des Geschehens ein und beteiligten sich an der Diskussion über die weitere Vorgehensweise. Auch mit der Unterstützung von Mitarbeitern des staatlichen Fernsehens EBC konnte ein Kompromiss zwischen den Radioaktivisten, Anatel, der Polizei und Vertretern des Kommunikationsministeriums erreicht werden. Daraufhin konnte das Radio den Sonntag über wie geplant bis zum Ende des Live-Programms über UKW senden. Seit Montag sendet das Gipfel-Radio nun mit einer Sendeanlage, die von EBC bereitgestellt und von Anatel als ungefährlich eingestuft wird, auf einer neuen Frequenz die durch Minicom als experimentelles Radio legalisiert wird.

Vom 15. bis zum 23. Juni findet in Rio de Janeiro der "Gipfel der Völker" als Gegengipfel zum Rio+20-Gipfel der UNO statt. Radioaktivisten aus verschiedenen Teilen der Welt produzieren während des Gipfels von 7:30 uhr bis 23:00 Uhr (Ortszeit) das Programm des Live-Radios. Wenn das Gipfel-Radio nicht live produziert wird, sind Wiederholungen vom Vortag auf dem Stream zu hören. Einzelne Beiträge können auf der Seite des People Summit Radio nachgehört werden. Das Radio berichtet seit dem 15. Juni von den Aktivitäten rund um den Gipfel der Völker sowie über die Vorbereitungen zum Rio+20-Gipfel, sowohl über UKW als auch über einen Webstream.

In Brasilien werden jedes Jahr hunderte Radios vom Kommunikationsministerium geschlossen, weil sie nicht formalisiert sind. Auch in anderen Ländern Lateinamerikas werden täglich Bürgermedien geschlossen. Die Repression beruft sich in vielen Fällen auf Mediengesetze die von Militärregierungen verabschiedet wurden. Argentinien hat 2009 mit einem neuen Mediengesetz bewiesen, dass es möglich ist die Frequenzen zu diversifizieren und das Menschenrecht auf Kommunikation umzusetzen.


Das Nachrichtenportal amerika21.de berichtet in Zusammenarbeit mit dem Pressedienst Poonal aktuell über den Rio+20-Gipfel und den alternativen Gipfel der Völker.

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