Journalisten in Honduras leben in Angst

Medienvertreter befürchten massive Gewalt im Wahljahr 2013. Schon fünf Kandidaten der Opposition ermordet. Radioreporter berichtet in Berlin

taz-cafe_felix2.jpg

Félix Molina
Félix Molina

Berlin. Der honduranische Journalist Félix Molina hat auf einer Veranstaltung in Berlin vor der zunehmend bedrohlichen Menschenrechtslage in dem mittelamerikanischen Land gewarnt. Im kommenden Wahljahr seien vor allem Journalistinnen und Journalisten bedroht, so der Radioreporter vor mehreren Dutzend Gästen im Café der "tageszeitung".

Honduras gehört nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen zu den gefährlichsten Ländern für Medienmacher. Allein in den letzten drei Jahren wurden 27 von ihnen ermordet. Aufgrund der allgemeinen Straflosigkeit wurden die Fälle in der Regel nicht aufgeklärt. Todesdrohungen gegen kritische Journalistinnen und Journalisten gehören seit dem Putsch von 2009 zum Alltag.

Dennoch sind es vor allem Medienschaffende der sozialen Bewegungen, zu denen auch Félix Molina gehört, die von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen. Trotz der massiven Einschüchterungsversuche gibt er mit seinem Radioprogramm "Resistencia" (Widerstand) gibt er der infolge des Putsches gegen die demokratisch legitimierte Regierung von Präsident Manuel Zelaya Mitte 2009 entstandenen Demokratiebewegung eine Stimme.

Molina reist heute quer durch das Land, spricht mit Aktivisten in indigenen Gemeinden, die sich gegen Großprojekte einsetzen, mit Kleinbauern in der Krisenregion Bajo Aguán, die um ihr Land kämpfen, und mit anderen Mitgliedern der sozialen Bewegungen. Täglich wird das Radioprogramm auf Radio Globo mit Interviews und politischen Analysen ausgestrahlt. Themen, die in den von der Oberschicht beherrschten Massenmedien ausgeblendet werden. Für die kritische Berichterstattung wurde Radio Globo seit dem Putsch bereits zweimal vom Militär besetzt und gezwungen den Sendebetrieb einzustellen.

Eindrücklich berichtet Félix Molina in Berlin von seinem Arbeitsalltag. Todesdrohungen hat er bereits mehrfach erhalten. "Ich habe mir schon oft nach einer Sendung gedacht, ob das wohl meine letzte Sendung sein wird. Es ist so einfach, dass ein Motorrad mit Auftragskillern vorbei fährt und mir eine Kugel in den Kopf jagt", sagt Molina bei der Veranstaltung, die von "Reporter ohne Grenzen" und der Organisation CADEHO unterstützt wurde. Für seine Arbeit wurde Félix Molina mit dem US-amerikanischen Samuel-Chavkin-Preis für Integrität im Lateinamerikanischen Journalismus geehrt. 

Vertreter sozialer Bewegungen befürchten, dass sich die Menschenrechtslage vor allem für Pressevertreter und Aktive der sozialen Bewegungen im kommenden Jahr drastisch verschlechtern wird. Im November kommenden Jahres finden in dem zentralamerikanischen Land Wahlen statt. Bereits einige Monate vor den Vorwahlen in diesem Jahr wurden fünf Kandidaten der aus der Widerstandsbewegung hervorgegangenen Partei LIBRE ermordet. Aufgrund dieser Situation betonte Félix Molina, wie wichtig internationale Präsenz während des gesamten Wahljahres ist.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr