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03.04.2008 International

Venezuela wehrt sich gegen El País

Kommunikationsminister Izarra mahnt ausgeglichene Berichterstattung an
Venezuela wehrt sich gegen El País

Findet El País nicht so unabhängig wie das Blatt sich präsentiert: Venezuelas Kommunikationsminister Andrés Izarra

Caracas/Madrid. Seit Jahren verfolgt Venezuelas Kommunikations- und Informationsministerium genau die Berichte der spanischen Tageszeitung El País über die Politik in Caracas. Die gefühlte Negativberichterstattung kann Minister Andrés Izarra jetzt mit Fakten untermauern. Das schreibt der ehemalige Journalist in einem offenen Brief an den Chefredakteur des Madrider Blatts, Javier Moreno.

Darin heißt es, die Zeitung verletze mit ihren Venezuela-Berichten das Recht ihrer Leser, "eine wahrhaftige und so komplett wie mögliche Information" zu erhalten. Dieses Prinzip habe El País in ihrem Redaktionsstatut festgelegt. Eine Inhaltsanalyse habe nun aber ergeben, dass Spaniens meist gelesene Tageszeitung zwischen Januar und März pro Tag durchschnittlich 2,4 Artikel über Venezuela brachte. Unter den 142 Beiträgen gab es fünf Leitartikel und 21 Kommentare. Ihnen gemein war eine "klare negative Tendenz" gegen die Regierung von Präsident Hugo Chávez, so Izarra. El País titulierte den Präsidenten 34 Mal als "autoritär", zehn mal nannte sie ihn einen "Diktator", sieben mal "totalitär" und "unzählige Male Caudillo und Populisten".

Izarra erinnert in diesem Zusammenhang daran, daß Chávez durch drei Präsidentschaftswahlen und ein Abwahlreferendum in seinem Amt bestätigt wurde.

Die spanische Zeitung habe Chávez auch dadurch zu deskriditieren versucht, indem sie seine Rolle als Vermittler im kolumbianischen Geiseldrama heruntergespielt und ihn als Unterstützer der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) darstellt hat, sagte Izarra. El País Zeitung beruft sich dabei auf Informationen, die Bogotá auf dem Laptop des ermordeten FARC-Kommandanten Raúl Reyes gefunden haben will. Die Authentizität der Dokumente ist aber nicht bewiesen.

El País ist nicht nur im eigenen Land ein Leitmedium, sondern in ganz Europa. Das Blatt wird von politischen Entscheidungsträger, Journalisten und Akademikern gelesen. Im Vorfeld des Putsches gegen Chávez im April 2002 präsentierte das Blatt ihn als "gespaltene Persönlichkeit" und "Verrückten". Dieses Zerrbild übernahmen deutsche Tageszeitungen und sogar wissenschaftliche Publikationen.

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