Appelle für Diplomatie

Frankreich, Brasilien und Kuba für Gespräche mit Guerilla in Kolumbien. Vermittlung zwischen Caracas und Bogotá

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Appelle für Diplomatie
Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner

Caracas/Paris/Havanna/Brasilia. Während Anhänger der rechten Staatsführung Kolumbiens zu Wochenbeginn für die militärische Innenpolitik von Präsident Álvaro Uribe demonstriert haben, setzen sich Regierungen weltweit für Verhandlungen mit den Guerillaorganisationen des südamerikanischen Landes ein. Seit dem Spätsommer vergangenen Jahres steht die Lösung des bewaffneten Konfliktes ganz oben auf der politischen Agenda Lateinamerikas. Venezuela setzt sich für einen diplomatischen Ausweg ein, Kolumbien besteht auf ein militärisches Vorgehen gegen die Rebellen. Der Streit hat die Beziehungen zwischen beiden Staaten massiv belastet.

In der vergangenen Woche nun forderte der französische Außenminister Bernard Kouchner Kolumbien zum wiederholten Mal auf, Venezuelas Präsident Hugo Chávez als Vermittler zu akzeptieren. "Wenn das funktioniert, sollten wir diese Möglichkeit wahrnehmen", sagte Kouchner am Rande des so genannten Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos: "Ich denke, dass wir nichts unversucht lassen sollten, um die Freilassung der Gefangenen zu erreichen". Am 20. Februar will der Pariser Außenpolitikern nach Kolumbien reisen, um für die französische Position zu werden. Im Anschluss will er auch mit Präsident Chávez in Caracas zusammenkommen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Die Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) hält gut 40 politische Häftlinge gefangen. Bei ihnen handelt es sich meist um Politiker, die von der Rebellenorganisation als Faustpfand verschleppt wurden, um sie gegen rund 500 Guerilleros aus staatlichen Gefängnissen auszutauschen. Unter den politischen Gefangenen befindet sich auch die Franco-Kolumbianerin und ehemalige Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt.

Gegen den Protest von Angehörigen der Gefangenen und ausländischer Regierungen beharrt die rechtsgerichtete kolumbianische Regierung in Bogotá jedoch auf eine militärische Lösung, also die gewaltsame Befreiung der Gefangenen. Bei entsprechenden Versuchen sind in der Vergangenheit mehrfach Gefangene der Guerilla ums Leben gekommen.

Nach Presseberichten setzen sich Kuba und Brasilien indes für eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Venezuela und Kolumbien ein. Das schrieb die kolumbianische Tageszeitung El Tiempo unter Berufung auf diplomatische Quellen. So hätten beide Staatschefs, Fidel Castro und Luiz Inácio "Lula" da Silva, bei einem Treffen in Havanna am 15. Januar die Mediation besprochen. Beide Staaten hatten schon bei der letzten Krise zwischen Caracas und Bogotá im Jahr 2005 geschlichtet. Damals war der FARC-Politiker Rodrigo Granda von einem kolumbianischen Geheimdienstkommando aus Caracas nach Kolumbien verschleppt worden.


Quellen: Agencia Bolivariana de Noticias/Venezuelanalysis.com, dpa.

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