Kartenkrieg in der Karibik

Kolumbien und Honduras streiten mit Nicaragua über den Verlauf der Seegrenze

Managua/Bogotá/Tegucigalpa. Medien in Nicaragua und Honduras schüren den Konflikt um den Verlauf der umstrittenen Seegrenze. Kolumbiens Flotte behindert nicaraguanische Fischer bei ihrer Arbeit in der Karibik. Es häufen sich Berichte über Zwischenfälle zu See, an denen die drei Länder beteiligt sind. Weitere Nachrichten besagen, dass Medien Grenzkarten veröffentlichen, die nicht mit den jüngsten Entscheidungen des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag übereinstimmen. Der sandinistischen Regierung droht eine neue Auseinandersetzung, an der neben den US-treuen Regierungen in Bogotá und Tegucigalpa auch die Oppositionspresse beteiligt ist.

Am 15. Februar 2008 übergab die sandinistische Regierung dem kolumbianischen Botschafter in Managua ein Protestschreiben, nachdem Kolumbiens Marine Fischer aus Nicaragua bei ihrer Arbeit behindert hatte. Drei Tage später titelte die Tageszeitung El Heraldo aus Honduras: "Nicaragua will jenseits des 82. Längengrads segeln." Das Blatt bezieht sich auf Karten, die die nicaraguanische Tageszeitung La Prensa veröffentlicht haben soll. Sie sollen nicht dem aktuellen Stand des Rechtsstreits entsprechen, sondern die nicaraguanischen Wünsche widerspiegeln. Das nimmt El Heraldo zu Anlaß, um die Regierung in Tegucigalpa aufzufordern, die Interessen Honduras in dieser Angelegenheit massiv in Managua zu vertreten.

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Vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag streitet Nicaragua mit Honduras und Kolumbien über den konkreten Verlauf der Seegrenze jenseits des 15. Breiten- und des 82. Längengrads. Es geht in erster Linie um die Fischgründe in der Karibik, die die Lebensgrundlage für Mesquito-Indianer darstellen. 60 Seemeilen östlich der nicaraguanischen Küste liegt die Karaibikinsel San Andrés. Im Dezember 2007 stellte der Internationale Gerichtshof fest, daß diese zum kolumbianischen Staatsgebiet gehört. Über den Verlauf der Seegrenze westlich des 82. Längengrads wird das Tribunal frühestens Ende 2008 entscheiden. Im Dezember 2007 legte es als vorläufige Trennlinie zwischen Honduras und Nicaragua den 15. Breiten- und den 82. Längengrad fest. Der weitere Grenzverlauf ist noch unklar.

Der Grenzstreit bekommt eine geopolitische Note, weil Nicaragua neben Bolivien, Kuba und Venezuela zum progressiven Wirtschafts- und Sozialbündnis, das sich Alternativa Bolivariana para las Américas (ALBA, Bolivarianische Alternative für die Amerikas) nennt, gehört. Kürzlich hatte Venezuelas Präsident Hugo Chávez vorgeschlagen, die ALBA-Ländern sollten sich auch im militärischen Bereich zusammenschließen. Daher spekuliert der Heraldo, ob Chávez seinen Amtskollegen Daniel Ortega in dieser Sache instrumentalisiert, damit Nicaragua als "Opfer" von Kolumbien und Honduras da stehe. Der Kartenkrieg passt ins Kalkül der US-Außenpolitik, die kein Interesse daran hat, daß sich die ALBA als Gegenpol zum neoliberalen Kapitalismusmodell in Mittel- und Südamerika etabliert.

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