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11.02.2008 Venezuela

Öl-Streit lässt die Preise steigen

Börsenmakler und Medien machen Chávez für hohen Öl-Preis verantwortlich

Caracas/London/New York. Am Montag stieg der Ölpreis an den Börsen in New York und London auf 92 US-Dollar pro Barrel (152 Liter). Finanzexperten und die europäischen Medien machen für diese Entwicklung allein den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez verantwortlich.

Dieser hatte am Sonntag in seiner Fernsehsendung "Aló Presidente" angekündigt, er werde den Öl-Export in die USA einstellen, falls dort die Guthaben des staatlichen venezolanischen Öl-Konzerns PDVSA tatsächlich eingefroren würden. "Wenn sie uns Schaden zufügen, dann werden wir ihnen schaden. Wissen Sie wie? Wir werden kein Öl mehr in die Vereinigten Staaten schicken", sagte Chávez.

Es geht um insgesamt 12 Milliarden US-Dollar (8,4 Mrd. Euro). Diese Summe soll nach Vorstellung der Exxon-Anwälte sichergestellt werden, um die Verluste aus dem verlorenen Venezuela-Geschäft abzusichern. Der Öl-Multi führt seit 2007 einen Rechtsstreit gegen die Regierung in Caracas. Zuvor hatte er sich geweigert, gegen Entschädigung einem Mischunternehmen beizutreten, bei dem die PDVSA die Mehrheitsanteile hält.

Die USA sind mit 25 Prozent der größte Verbraucher der jährlichen Weltölproduktion. An zweiter Stelle folgt China mit 8 Prozent. Der Import aus Venezuela deckt zwischen 11 und 15 Prozent des Öl-Bedarfs in den Vereinigten Staaten. Falls die Einfuhren für länger als zwei Wochen ausfielen, bekäme zuerst die US-Industrie Produktionsschwierigkeiten, die sich anschliessend negativ auf die US-Wirtschaft auswirken würden.

Der Ölpreis steigt aber nicht allein wegen des Öl-Streits und Chávez' Äußerungen: der britisch-niederländische Öl-Riese Royal Dutch Shell meldet, er habe im afrikanischen Produktionsland Nigeria die Tagesproduktion von 130 000 Barrel wegen defekten Pipelines vorläufig einstellen müssen.

Am vergangenen Donnerstag hatte der Öl-Preis 86 US-Dollar seinen tiefsten Stand während der letzten drei Monate erreicht. Im Moment nähert er sich wieder der Höchstmarke von 100 US-Dollar pro Barrel, die er am 3. Januar 2008 erstmalig überschritten hatte. In nicht allzu ferner Zukunft könnte auch ein Preis von 200 US-Dollar möglich sein, meinen Analysten.

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