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29.01.2008 Lateinamerika / Venezuela

Einer für alle, alle für einen

Venezuela für lateinamerikanisches Verteidigungsbündnis gegen US-Bedrohung

Caracas. Venezuelas Vorschlag zu Gründung eines gemeinsamen Verteidigungsbündnisses lateinamerikanischer Staaten ist auf positive Resonanz gestoßen. Die Staatsführungen sowohl von Nicaragua als auch von Bolivien erklärten sich zu Beginn der Woche zu einer solchen militärischen und geheimdienstlichen Zusammenarbeit bereit. Präsident Hugo Chávez hatte am Sonntag in seiner wöchentlichen TV- und Radiosendung "Aló, Presidente" die Mitglieder der "Bolivarischen Alternative für Amerika" (ALBA) dazu aufgerufen, eine regionale Verteidigungsstrategie zu erarbeiten. Dem Ende 2005 ins Leben gerufenen Bündnis ALBA gehören neben den Gründungsmitgliedern Venezuela und Kuba inzwischen auch Nicaragua, Bolivien und der karibische Kleinstaat Dominica an. ALBA wurde gegründet, um die US-Dominanz in der Region zurückzudrängen.

Dementsprechend erklärte Chávez nun: "Wir sollten unsere Streitkräfte vereinen, weil wir den gleichen Gegner haben: das Imperium der Vereinigten Staaten". Im Beisein von Nicaraguas Staatschef Daniel Ortega schlug er in seiner Sendung eine gegenseitige militärische Beistandspflicht der ALBA-Staaten vor: "Wer sich mit einem von uns anlegt, wird sich mit allen anlegen, weil wir gemeinsam reagieren werden".

Die Initiative kommt nicht überraschend. Angesichts der aggressiven US-Politik gegen Kuba hatte Chávez in der Vergangenheit des Öfteren erklärt, dem sozialistischen Inselstaat im Falle einer militärischen Auseinandersetzung mit der US-Armee zu Hilfe kommen zu wollen. Auch hatte er den Vorschlag des brasilianischen Staatschefs Luiz Inácio "Lula" da Silva befürwortet, einen "südamerikanischen Verteidigungsrat" zu gründen, aus dem allerdings nie etwas geworden ist. Der aktuelle Vorstoß nun ist eine Konsequenz aus der andauernden Krise zwischen Venezuela und Kolumbien. Seit Beginn des Monats hatte Chávez der ultrarechten Regierung des Nachbarstaates mehrfach vorgeworfen, mit Unterstützung der USA eine militärische Konfrontation provozieren zu wollen.

In Bolivien und Nicaragua wurde der Vorschlag in dieser Situation positiv aufgenommen. "Ein Angriff auf Venezuela wäre ein Angriff auf ganz Lateinamerika", sagte Ortega in der Sendung "Aló, Presidente". Auch der Fraktionschef der regierenden "Bewegung zum Sozialismus" in bolivianischen Abgeordnetenhaus, César Navarro, befürwortete die Idee. Die hohe Militärpräsenz der USA in Lateinamerika werde in La Paz ohnehin mit "großer Sorge" betrachtet.


Den Originaltext der Tageszeitung junge Welt finden Sie hier.

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