Kolumbien

Schach der FARC

Kolumbianische Armee verkündet handstreichartige Befreiung von Ingrid Betancourt und 14 weiteren Gefangenen der Guerilla mit US-Hilfe

Bogotá. Die Regierung von Álvaro Uribe zelebriert einen weiteren militärischen Erfolg über die marxistisch-leninistische Guerilla der Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC, Kolumbiens Revolutionäre Streitkräfte). In einer Kommandoaktion gelang es Geheimdienstlern am Mittwoch (1.7.2008), die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, drei US-Söldner und elf weitere hochrangige Gefangene zu befreien. Dabei nahmen die kolumbianischen Agenten zwei Angehörige der FARC fest. Washington half bei der Planung und Durchführung der Aktion, gab der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates Gordon Johndroe bekannt.

Das Verteidigungsministerium in Bogotá gab an, die Operation mit Codenamen "Jaque" (Schach) sei erfolgreich verlaufen, weil es gelungen sei, die Führungsebene der Guerilla zu unterwandern. So sei es möglich gewesen, die an verschiedenen Orten festgehaltenen Gefangenen an einem zentralen Punkt zusammenzuführen. Angeblich habe man den Eindruck vermitteln können, die Gruppe mit einem Hubschrauber der Guerilla an anderen Ort bringen zu können. An Bord der Maschine befanden sich Geheimdienstspezialisten, die die FARC-Guerrilleros unschädlich machten und die Gefangenen in Sicherheit brachten. In der Umgebung hielt sich eine weitere Militäreinheit bereit, die aber nicht eingriff, sondern die übrigen FARC-Guerilleros abziehen ließ.

Eine Stellungnahme der Guerilla zu den Ereignissen liegt noch nicht vor. Angesichts der kreativen Medienpolitik der Regierung Uribe in Bezug auf die Laptops des ermordeten FARC-Kommandanten Raúl Reyes müssen die Verlautbarungen mit Vorsicht zur Kenntnis genommen werden.

Die Befreiung von Betancourt wurde in Paris mit großer Erleichterung aufgenommen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte sich vehement für die Freilassung der Politikerin eingesetzt, da diese auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt. Sie wurde vor sechs Jahren während einer Wahlkampftour in Kolumbien entführt. Im Januar 2008 war es dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez und der kolumbianischen Senatorin Piedad Córdoba gelungen, auf dem Verhandlungswege mehrere FARC-Gefangene ohne Gegenleistung frei zu bekommen.

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