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21.07.2008 Amerikas

Lebensgefahr für Gewerkschafter

Wieder Gewerkschaftsführer in Kolumbien ermordet. Trotz Zusagen der Regierung steigt die Gewalt gegen organisierte Arbeiter

Fortaleza. Am 15. Juli wurde in Ibagué, der Hauptstadt des zentralwestlich gelegenen Departments Tolima, ein weiterer Gewerkschaftsführer tot aufgefunden worden. Guillermo Rivera, Vorsitzender der Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes in Bogotá (SINSRVPUB, Sindicato de Servicios Públicos de Bogotá) war am 22. April in Bogotá verschwunden. Nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen sei der Mord noch nicht aufgeklärt, Die Indizien wiesen jedoch wieder einmal darauf hin, dass Beamte der Nationalpolizei dafür verantwortlich sein könnten.

Die gewerkschaftlichen Organisationen rufen alle demokratischen Kräfte auf, Stellung zu beziehen und aktiv zu werden. Sich nur gegen die Entführungen (durch die FARC, Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) auszusprechen, bedeute, die Existenz anderer Verbrechen im Land zu leugnen, wie z. B. die 15.000 Verschleppungen, die Vertreibung von vier Millionen Menschen und die kontinuierliche Ermordung von Führungspersönlichkeiten aus der Opposition und sozialen Bewegungen, wie jetzt wieder im Fall von Guillermo Rivera.

Ein Bericht des Gewerkschaftsbundes der Arbeiterinnen und Arbeiter der Amerikas (CSA, Confederación Sindical de Trabajadores y Trabajadoras de las Américas) kritisiert, dass es in Kolumbien zwei Jahre nach der Unterzeichnung des Abkommens "Für das Recht auf Organisierung und Demokratie" keine nennenswerten Verbesserungen der Bedingungen für fundamentale Rechte und Freiheiten im Bereich der Arbeit gegeben habe.

"Die kolumbianische Gewerkschaftsbewegung hofft, dass der Staat Kolumbien vor die Prüfungskommission der Konferenz geladen wird, um Rechenschaft abzulegen für seine beständige und systematische Nichteinhaltung der in den Abkommen 87 und 98 anerkannten Rechte. Als Konsequenz soll die Konferenz die kolumbianische Regierung mittels einer besonderen Klausel dazu drängen die Verfolgung zu beenden und die gewerkschaftlichen Rechte und Freiheiten anzuerkennen und zu garantieren", heißt es im Bericht.

Im laufenden Jahr wurden bereits 26 Morde an gewerkschaftlich organisierten ArbeiterInnen registriert. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 39 Morde. Vergleicht man die entsprechenden Zeiträume beider Jahre, so ergibt sich ein Anstieg der Morde um 71 Prozent.

Der Gewerkschaftsbund macht auf weitere Verbrechen aufmerksam: 225 Attentate auf Gewerkschaftsführer und 193 Fälle von Verschwindenlassen. Mindestens 3.749 Gewerkschafter erhielten Morddrohungen und 1.406 gewerkschaftlich Organisierte mussten unfreiwillig ihren Wohnort wechseln.

Unter den seit dem 1. Januar 1986 bis zum 30. April diesen Jahres registrierten Fällen sind mindestens 9.310 Verstöße gegen das Leben, die Freiheit und die Unversehrtheit. In die Regierungszeit von Präsident Uribe fallen davon 2.878 Fälle, also 26,7 Prozent. Die meisten Opfer haben in der Landwirtschaft, im Bildungs- und Gesundheitswesen, im Erdölsektor, im Justizwesen, der Lebensmittelindustrie und im öffentlichen Dienst gearbeitet.


Quelle: Poonal/Adital

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17.07.2008 Nachricht von Maxim Graubner