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20.10.2008 Venezuela

Sonntäglicher Stromausfall

Venezuela teilweise stundenlang ohne Strom. Opposition macht Verstaatlichung verantwortlich, Regierung verweißt auf rasante Wirtschaftsentwicklung

Caracas. Am Sonntag gingen in der venezolanischen Hauptstadt Caracas gegen elf Uhr morgens (Ortszeit) für zwei Stunden die Lichter aus. Insgesamt war ein Großteil der westlichen Provinzen von dem Stromausfall betroffen. In ländlicheren Gebieten dauerte dieser bis zu doppelt so lang wie in der Hauptstadt, berichtet BBC Mundo. In Caracas fielen U-Bahn- und Ampel-System aus, doch kam es laut der Hauptstadt-Feuerwehr zu keinen gravierenden Zwischenfällen.

Die Ursache des Ausfalls war nach Angaben der staatlichen Elektrizitätswerke eine Störung der zentralen Hochspannungsleitung vom größten Wasserkraftwerk Venezuelas, welches den Großteil des Energiebedarfes des Landes deckt. Der Chef der Elektrizitätswerke, Hipólito Izquierdo, zeigte sich jedoch sehr verwundert über den Vorfall. Er schloss Sabotage nicht aus. Es sei erstaunlich, dass ein Ereignis dieses Ausmaßes ausgerechnet an einem Sonntag passiere, denn normalerweise sei an freien Tagen die Energienachfrage wesentlich unkritischer als unter der Woche. Außerdem habe es keine größeren Unwetter gegeben, die oft zu Zwischenfällen führen.

Die Opposition versuchte den Vorfall gleich für sich zu nutzen und sieht die Ursache für Stromausfälle dieser Art in der Verstaatlichung des Elektrizitätssektors im vergangenen Jahr und einem angeblichen daher rührenden Prozess der "Entprofessionalisierung". Dieser würde außerdem durch die "kubanische Einmischung" verschärft, zitiert die konservative Tageszeitung El Universal einen angeblichen Experten. Kuba hilft in Venezuela beim Aufbau von dezentralen Kleinkraftwerken. Diese Zusammenarbeit hat allerdings wenig mit den zentralen Hochspannungsleitungen der riesigen Wasserkraftwerke zu tun.

Die Regierung hält außerdem dagegen, dass auf den rasanten Wachstum der letzten Jahre im Bereich der Energieversorgung zu spät reagiert worden sei. Erst seit der Verstaatlichung seien umfangreiche Maßnahmen eingeleitet worden um das Energieangebot zu erhöhen und die Abhängigkeit von den zentralen Großwasserkraftwerken zu verringern.

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