Venezuela

Die Waffen der FARC

Panzerfäuste vor 14 Jahren aus venezolanischem Militärstützpunkt geraubt. Caracas spricht von Medienkampagne

Caracas. Die schwedischen Panzerfäuste AT-4 wurden vor 14 Jahren der Guardia Nacional in Venezuela geraubt. Dies ergab eine Untersuchung des Militärs, die heute bekannt gegeben wurde. Wenige Tage, nachdem neue Stationierungspläne des US-Militärs in Kolumbien für Unruhe in Lateinamerika sorgten, hatte der kolumbianische Vizepräsident Santos informiert, die FARC hätten "hochmoderne Raketenwerfer" aus Venezuela bekommen. Der Vorwurf zielte offensichtlich darauf, zum wiederholten Mal nahe zu legen, dass die sozialistische Regierung des Nachbarlandes die Guerilla in Kolumbien unterstützt - dies hatte die Regierung in Caracas immer wieder energisch dementiert. Santos hatte zunächst nur vom "Waffenmarkt" in Venezuela gesprochen. Letzten Montag legte Kolumbien nach: Der New York Times wurde ein kolumbianisches Geheimdienstdokument zugespielt, dass angeblich beweisen sollte, dass der ehemalige Innenminister Venezuelas in den vorgeblichen Waffendeal verstrickt gewesen sein soll.

Bei den Waffen handelt es sich um schwedische Panzerfäuste AT-4 der Firma Saab, die nach Angaben des Herstellers vor mehr als 30 Jahren entwickelt wurden. Im Jahr 1988 waren die Waffen an Venezuela geliefert worden und im vergangenen Herbst vom kolumbianischen Militär in einem Camp der FARC erbeutet worden. Die venezolanische Regierung hatte die Vorwürfe von Anfang an abgestritten. Es handle sich um eine Medienkampagne, mit der Kolumbien von seinen umstrittenen Stationierungsplänen für us-amerikanisches Militär ablenken wolle. Nachdem es zunächst hieß, Kolumbien stelle den USA fünf Militärstützpunkte zur Verfügung, erklärte der kolumbianische Verteidigungsminister heute, man werde den USA sieben Stützpunkte überlassen. Am Montag treffen sich die Länder der Union Südamerikanischer Staaten in Ecuador. Dort werden die kolumbianischen Aufrüstungspläne Thema sein. Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe hat seine Teilnahme abgesagt.

In dieser Woche veröffentlichte die kolumbianische Tageszeitung El Tiempo eine Übersicht über die Waffenbeschaffung der FARC. Danach stammen die bisher vom Militär erbeuteten Waffen der Guerilla aus 27 verschiedenen Ländern, an die Kolumbien mithilfe von Interpol nicht weniger als 209 Auskunftsersuchen richtete. Die meisten Aufforderungen, Waffenlieferungen zu untersuchen, schickte Kolumbien an den engsten Verbündeten, die Vereinigten Staaten, und an osteuropäische Länder. Prominent vertreten ist aber auch die Europäische Union. Aus Europa stammen vor allem Pistolen und Revolver, während aus den USA neben Gewehren und Munition auch Panzerfäuste kommen. Viele der Auskunftsersuchen richten sich an Länder, die selber keine Waffenhersteller sind, sondern wie im Falle von Venezuela und den schwedischen Panzerfäusten als Käufer ermittelt wurden.

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