Honduras

Von Belgrad nach Tegucigalpa

Honduranisches Tagebuch (IV): Vertreter der serbischen Organisation "Otpor" nehmen Kontakt zu Protestbewegung auf. Gruppe wurde von USA aufgebaut

Tegucigalpa. Zahlreiche Delegationen sind in diesen Tagen in Tegucigalpa zu Gast. Nach zwei internationalen Beobachtergruppen mit deutscher Beteiligung informiert sich derzeit eine Delegation aus den USA unter Leitung von Tom Loudon von der Nichtregierungsorganisation Quixote Center über die Lage nach dem Militärputsch in Honduras. "Wir wollen im Moment möglichst viele Gäste aus Europa, den USA und anderen Teilen der Welt nach Honduras holen", sagt Betty Matamoros von der Nationalen Widerstandsfront gegen den Staatsstreich: "Diese internationale Präsenz hilft und, über das Geschehen und die zunehmende Gewalt durch die Putschisten aufzuklären. Sie schützt uns."

Am Montag kamen aus Deutschland zudem die Vizevorsitzende der Bundestagsfraktion der Linken, Monika Knoche, und der entwicklungspolitische Referent der Bundestagsfraktion, Alexander King, in Tegucigalpa an. Mitte der Woche wird eine weitere Beobachtergruppe aus Guatemala erwartet.

Doch nicht alle internationale Präsenz ist in Honduras dieser Tage gerne gesehen. Bereits Ende der vergangenen Woche traten zwei Vertreter der serbischen Organisation Otpor (Widerstand) auf Treffen der Nationalen Widerstandsfront auf. Die Gruppe Otpor war in den 1990er Jahren als Teil der Protestbewegung gegen den damaligen Präsidenten Jugoslawiens, Slobodan Milosevic, gegründet worden. Sie wurde rasch von der rechtsgerichteten US-Stiftung National Endowement for Democracy finanziert und beeinflusst. Explizites Ziel: Der Sturz der sozialistischen Regierung Milosevics, die eines der größten Hindernisse für die Ostausdehnung der NATO darstellte. Der Gruppe werden Kontakte zu dem US-Auslandsgeheimdienst CIA nachgesagt. Der US-Delegationschef Tom Loudon reagierte erstaunt auf die Präsenz dieser Gruppe. "Wir werden Informationen dazu zusammentragen", sagte er.

Der besuch aus Serbien sorgte für Aufsehen, weil aus Otpor inzwischen ein sogenanntes Zentrum für den gewaltfreien Widerstand hervorgegangen ist, das Einfluss auf politische Bewegungen weltweit nimmt. Das Zentrum mit Sitz in den USA war nicht nur bei den Umsturzversuchen in Osteuropa und Zentralasien in den vergangenen Jahren präsent. Die "Demokratieaktivisten" unterstützen auch die Bewegungen gegen die linksgerichteten Regierungen in Venezuela und Bolivien.

"Uns erstaunt besonders, dass diese Leute mit einem linken Journalisten aus den USA angereist sind", sagt Matamoros, die Informationen zu der Gruppe für die täglich erscheinende Zeitung der Widerstandsfront zusammengetragen hat. Matamoros steht in der Eingangshalle der Gewerkschaft STIBYS, einem Zentrum der Widerstandsfront. Neben ihr hängt auf ein DIN-A-4-Blatt kopiert die Ankündigung für einen Dokumentarfilm über "Otpor". Es sei der Gruppe gelungen, heißt es da, die "Tyrannei" des "Diktators Milosevic" zu stürzen.

Das Interesse an dem Film war gering. Nach zwei Tagen sind die serbischen Vertreter wieder abgereist.


Harald Neuber ist unter anderem mit dem Mandat von Attac Deutschland in Honduras, um die Lage vor Ort zu beobachten.

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