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11.01.2009 Venezuela

Wirtschaft auch im Jahr 2008 gewachsen

Venezuela verzeichnet das fünfte Jahr in Folge ein Wirtschaftswachstum. Arbeitslosigkeit und Armut gehen zurück

Caracas. In den letzten Wochen legten verschiedene Institutionen in Venezuela ihre Abschlussbilanzen für das Jahr 2008 vor. Deutlich wird schon jetzt, dass auch in diesem Jahr die soziale und ökonomische Entwicklung positiv eingeschätzt werden kann: Das Wirtschaftswachstum hält das fünfte Jahr in Folge an, die Zahlen der von Armut betroffenen Venezolanern sinken während die Beschäftigung zunimmt.

Nach Angabe des Nationalen Statistischen Instituts (INE) ist die Arbeitslosenrate gegenwärtig die niedrigste in den vergangenen 10 Jahren. Anfang 1999 habe die Arbeitslosigkeit im Monatsdurchschnitt bei 12 Prozent gelegen. Seitdem sei sie kontinuierlich auf 6 Prozent im Dezember 2008 gesunken. Nach Ansicht von Elías Eljuri, dem Präsidenten des INE, hat sich auch die Qualität der Beschäftigung deutlich verbessert. So sei die Zahl der formal Beschäftigten in diesem Zeitraum etwa um 10 Prozent gestiegen. Aufgrund der Arbeits- und Sozialpolitik konnte auch der Gini-Koeffizient deutlich gesenkt werden. Mit dem Koeffizienten wird die Ungleichheit der Verteilung von Reichtum in einer Gesellschaft gemessen. Mit gegenwärtig 0,41 Prozent liege Venezuela deutlich unter dem lateinamerikanischen Durchschnitt von 0,52 Prozent. Trotzdem sei die Armut in Venezuela noch nicht ausgerottet: Für das vergangene Jahr errechnete das INE den Prozentsatz der in Armut lebenden Bevölkerung mit 26 Prozent und die extreme Armut mit 7 Prozent.

Wie die Venezolanische Zentralbank (BCV) zum Jahreswechsel bekannt gab, lag das Wirtschaftswachstum bei etwa 5 Prozent. Zwar habe das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vorjahr 8.4 Prozent betragen, die Abschwächung sei aber vor allem auf externe Faktoren wie die globale Finanzkrise und den Absturz der Ölpreise seit Juli 2008 zurückzuführen. Trotzdem könne die venezolanische Wirtschaft inzwischen das 20. Quartal mit durchgehendem Wachstum seit dem Jahr 2003 verweisen. Das Wachstum sei damals kurzzeitig durch den so genannten Ölstreik unterbrochen worden, als Manager des Ölunternehmens PdVSA und private Unternehmer die Mitarbeiter aussperrten, um den Rücktritt von Hugo Chávez zu erzwingen.

Seit die Regierung Chávez die Kontrolle über die Erdöl-Industrie zurückerlangte, hat sich die Größe der venezolanischen Wirtschaft annähernd verdoppelt, berichtet das Center for Economic and Policy Research in Washington (USA). In seiner Analyse stellte das Wirtschaftsinstitut auch fest, dass entgegen anderer Annahmen der private Sektor schneller wuchs als der Öffentliche. Insgesamt sei dies für Venezuela eine beispiellose Wachstumsphase und die größte Zunahme in der Region. Außerdem habe es die stärksten Zuwächse nicht im Öl-Sektor sondern in anderen Bereichen gegeben, erklärte der Ökonom Mark Weisbrot. Dies deckt sich auch mit den Zahlen der BCV, nach denen der Öl-Sektor um 3 Prozent und die anderen Bereiche um 5.3 Prozent wuchsen.


Mit Material von abn, venezuelanalysis

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