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24.01.2009 Amerikas

Der elfte Präsident der Vereinigten Staaten

Fidel Castro schreibt über den neuen US-Staatschef Barack Obama und informiert über seinen Gesundheitszustand
Der elfte Präsident der Vereinigten Staaten

Fidel Castro

Wir dokumentieren nachfolgend den jüngsten Text des ehemaligen Staats- und Regierungschefs Kubas, Fidel Castro. In der Kolumne nimmt der Revolutionsführer zu dem neuen US-Präsidenten Barack Hussein Obama Stellung.

Fidel Castro erklärt sich aber auch zu seinem Gesundheitszustand, über den es in den vergangenen Tagen wieder vermehrt Spekulationen gegeben hat. Noch beobachte er vom Krankenbett aus die Ereignisse, schreibt er in Bezug auf die US-Politik. In vier Jahren, wenn die Amtszeit Obamas zu Ende ist, erwarte er aber, "über dieses Privileg nicht mehr verfügen zu können".

hneu.-


Havanna. Am letzten Dienstag, den 20. Januar 2009, übernahm Barack Obama als elfter Präsident der Vereinigten Staaten seit dem Sieg der kubanischen Revolution im Januar 1959 die Führung des Imperiums.

Niemand konnte die Aufrichtigkeit seiner Worte bezweifeln, als er ankündigt, dass er sein Land zu einem Modell für Freiheit und Achtung der Menschenrechte in der Welt sowie für die Unabhängigkeit anderer Völker machen wird. Eine solche Ankündigung beleidigt in der Tat fast niemanden außer den Menschenfeinden in allen Ecken des Planeten. Er kündigte gelassen an, dass das Gefängnis und die Folterungen im illegalen Stützpunkt Guantánamo unverzüglich beendet werden, was Zweifel bei denjenigen hervorzurufen beginnt, die dem Terror als unverzichtbares Instrument der Außenpolitik ihres Landes anhängen.

Der kluge und würdevolle Gesichtsausdruck des ersten schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten seit ihrer Gründung als unabhängige Republik vor gut 230 Jahren ist, inspiriert von (dem US-Präsidenten, d. Red.) Abraham Lincoln und (dem afroamerikanischen Bürgerrechtler, d. Red.) Martin Luther King, zu einem lebenden Symbol des amerikanischen Traumes geworden.

Ungeachtet aller durchstandenen Prüfungen ist Obama der wichtigsten von allen noch nicht unterzogen worden: Was wird er tun, wenn sich die unermessliche Macht, die er nun übernommen hat, als nutzlos entpuppt, wenn es darum geht, die unlösbaren, antagonistischen Widersprüche des Systems aufzulösen?

Wie ich es mir für dieses Jahr vorgenommen hatte, habe ich die Reflexionen (die Kolumne, d. Red.) mit der Absicht eingeschränkt, mich weder einzumischen, noch die Genossen der Partei- und Staatsführung bei ihren ständigen Entscheidungen zu stören, die sie aufgrund der objektiven, aus der Weltwirtschaftskrise entstehenden Schwierigkeiten treffen müssen. Es geht mir gut, aber ich bestehe darauf, dass sich keiner von ihnen wegen meiner Reflexionen, meines erschwerten gesundheitlichen Zustands oder meines Todes in Erklärungsnot fühlen soll.

Ich überarbeite die Reden und die von mir im Laufe von mehr als einem halben Jahrhundert erarbeiteten Materialien.

Ich habe das eigenartige Privileg gehabt, die Ereignisse so lange Zeit zu beobachten. Ich bekomme Information und stelle in aller Ruhe Überlegungen zu den Geschehnissen an. Ich erwarte, über dieses Privileg in vier Jahren nicht mehr verfügen zu können, wenn die erste Präsidentschaftsperiode von Obama abgeschlossen sein wird.

Fidel Castro Ruz

  1. Januar 2009

18:30 Uhr


Den Originaltext der Kolumne finden Sie hier.

Bildquelle: tvcamaguey.co.cu

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