Honduras

Zwei Präsidenten von Honduras

Präsident Zelaya reist morgen zum Alba-Treffen nach Nicaragua. Kongress ernennt eigenen Putsch-Präsidenten

putsch_203948_honduras_0.jpg

Zwei Präsidenten von Honduras
Straßenblockade in Tegucigalpa

Tegucigalpa. Nach dem Putsch gegen Präsident Manuel Zelaya bleibt die Situation in dem mittelamerikanischen Land unübersichtlich. In der Hauptstadt Tegucigalpa demonstrieren weiter tausende Anhänger des Staatschefs trotz starker Regenfälle für die Verteidigung der verfassungsmäßigen Ordnung. Der Fernsehsender TeleSur zeigt Bilder von brennenden Barrikaden. Viele Straßenkreuzungen sind von Demonstranten besetzt, die den Soldaten gegenüberstehen und skandieren "Ihr seid das Volk!" Andere Straßen werden vom Militär kontrolliert. Bis zum Nachmittag waren die Telefonleitungen unterbrochen. Die privaten Fernsehkanäle senden keine politischen Informationen sondern Zeichentrickfilme. Der staatliche Sender Canal 8 ist ebenso wie viele Radiosender weiter abgeschaltet.

Nach Berichten des kubanischen Außenministeriums wurde am Vormittag die Außenministerin und Vizepräsidentin Patricia Rodas vom Militär entführt und misshandelt. Bei einem Treffen mit den Botschaftern von Nicaragua, Venezuela und Cuba stürmten Soldaten ihr Haus. SIe wurde zusammen mit dem Botschafter von Kuba, Juan Carlos Fernandez, zu einer Luftwaffenbasis verbracht. Während der kubanische Botschafter am Nachmittag freigelassen wurde, ist der Verbleib von Patricia Rodas weiter unklar.

Am Vormittag meldete sich Präsident Manuel Zelaya aus Costa Rica. Er erklärte, eine kleine Elite aus Wirtschaft und Politik habe die Demokratie entführt. Der Präsident des Landes, Oscar Arias, verurteilte den Putsch und erinnerte an die "langen Nächte der lateinamerikanischen Diktaturen." Bei der gemeinsamen Pressekonferenz dementierte Zelaya energisch die Behauptung, er sei zurückgetreten und erhalte Asyl in Costa Rica. Morgen wird Zelaya als Präsident nach Nicaragua reisen und mit den Vertretern der Alba-Staaten zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.

Unterdessen trat in Tegucigalpa der von der Rechten dominierte Kongress zusammen und beschloss eine Amtsenthebung von Zelaya. Die Abgeordneten ernannten ihren Kongresspräsidenten, Roberto Michiletti, zum "Präsidenten de facto". Michiletti verlas ein Dokument, dem zufolge Zelaya bereits vor drei Tagen zurückgetreten sei. Roberto Michiletti soll bis zum Wahltermin im November die Geschäfte führen. Die stellvertretende Außenministerin Beatriz del Valle kommentierte diesen Schritt mit der Einschätzung, keine Regierung der Welt werde diese Putschregierung anerkennen. Sie wies darauf hin, dass Präsident Zelaya zwar im Ausland aber weiterhin im Amt ist. Für den Fall seines Rücktrittes würde die Außenministerin als Vizepräsidentin die Amtsgeschäfte übernehmen. Beatriz del Valle sprach von einer Verschwörung aus Kongress, Oberstem Gericht, Unternehmerverband und den Medienunternehmen.

International wurde der Putsch einhellig verurteilt. "Diese Aktion bedeutet eine nicht hinnehmbare Verletzung der verfassungsmäßigen Ordnung in Honduras", sagte der tschechische Außenminister Jan Kohout am Sonntag im Namen der 27 EU-Staaten. Auch US-Präsident Barack Obama äußerte sich tief besorgt über die Vorgänge und appellierte an die Verantwortlichen, die Konflikte friedlich zu lösen. Alle lateinamerikanischen Länder, auch Kolumbien, verurteilten den Staatsstreich.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr