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25.11.2009 Venezuela / Wirtschaft

Fragwürdige Geschäfte führen zu Verstaatlichung

Finanzgruppe in Venezuela geht in Staatsbesitz über. Eigentümer verhaftet. Dieser gilt als Chávez-Unterstützer
Fragwürdige Geschäfte führen zu Verstaatlichung

Sitz der Banco Canarias in Caracas

Caracas. Der venezolanische Staat übernimmt vier kleinere Banken, die allesamt zu einer Finanzgruppe gehören. Diese hätten Verwaltungsvorschriften nicht eingehalten, hieß es als Begründung. Der regierungsnahe Hauptaktionär Ricardo Fernández wurde verhaftet. Die Regierung gab ihre Intervention bei den Privatinstituten am vergangenen Freitag Vormittag (Ortszeit) bekannt.

Es handelt sich dabei um die Banken Canarias Banco Universal, Bolivar Banco, Provivienda Banco (Banpro), und Banco Confederado. Zusammen bilden diese die Finanzgruppe Grupo Financiero Bolivar. Sie kontrolliert knapp 10 Prozent des venezolanischen Finanzmarktes.

Wirtschafts- und Finanzminister Alí Rodríguez erklärte, Grund für die staatliche Übernahme sei das wiederholte Brechen von Verwaltungsvorschriften. Die Banken hätten ihr Kapital erhöht, ohne die Herkunft ihrer Geldmittel nachzuweisen. Zudem habe Banpro an der Börse Aktien von Canarias Banco gekauft, Canarias Banco erwarb wiederum Aktien von Confederado. Außerdem hätten sie für bestimmte Bereiche nicht genügend Kredite vergeben.

Rodríguez betonte, die Regierung wolle mit ihrer Intervention nicht "die Gesundheit des Banken- und Finanzsystems" beeinträchtigen. Man werde nicht eingreifen, solange die Banken geöffnet blieben und die Geschäfte normal liefen. "Venezuelas Finanzsystem genießt aufgrund der Kontrolle und Überwachung der Bankenaufsicht (Sudeba), der venezolanischen Zentralbank (BVC) und anderer Institutionen eine bedeutende Stärke und erkennbare Stabilität", so Rodríguez. Der Chef der Bankenaufsicht Edgar Hernández sagte, die Maßnahmen der Regierung dienten dem Schutz der Banken und ihrer Kunden.

Gleich am Freitag ließen die venezolanischen Behörden den Geschäftsmann Ricardo Fernandez festnehmen. Er ist der Hauptaktionär aller vier Banken, die übernommen wurden. Er wurde im Rahmen des Gesetzes gegen das organisierte Verbrechen und dem allgemeinen Finanzinstitut-Gesetz verhaftet.

Fernández ist laut dem Nachrichtenportal Noticiero Digital und anderen Medien auch als der "Zar von Mercal" bekannt. Mercal ist ein von der Regierung subventionierter Lebensmittelmarkt. Während des "Ölstreiks" ab Ende 2002, der Sabotage des staatlichen Ölsektors durch das oppositionelle Management, hat er demnach sein Netzwerk von mehr als 3000 Lastwagen in den Dienst der Regierung gestellt, um bei der Nahrungsmittel-Verteilung zu helfen. Er ist zudem Eigentümer der beiden Firmen Proarepa und Pronutrico. Diese liefern Weizen und andere Produkte an Mercal. Weitere 40 Firmen befinden sich in seinem Besitz.

Einige Quellen beschreiben ihn als "den einzigen Geschäftsmann, bei dem Chávez (Venezuelas Präsident, d.Red.) den Telefonanruf annimmt", und nennen ihn Teil der "Boliburguesía". Damit sind Geschäftsleute gemeint, die von der so genannten Boliviarianischen Revolution profitieren und sie unterstützen.

Laut dem Radiosender YVKE Mundial ist Fernandez freiwillig mit seinen Anwälten bei dem Hauptsitz der Nachrichten- und Präventionsdienste (DISIP) in der Hauptstadt Caracas erschienen, nachdem die Polizei ihn vergeblich in seinem Haus aufgesucht hatte.

Bei der Eröffnung des Ersten Außerordentlichen Kongresses der Vereinten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV) am vergangenen Samstag nahm Präsident Hugo Chávez dazu Stellung: jede private Bank, die Gesetze breche, solle übernommen werden. "Beteiligt sind ein paar sehr reiche Leute, die damit beginnen, eine Bank zu kaufen, dann noch eine und noch eine, und hier und dort investieren. Auf Anfrage können sie dann nicht nachweisen, woher ihre Mittel stammen, und dabei brechen sie die nationalen Gesetze," erklärte der Staatschef.


Den englisch-sprachigen Originalartikel des Internetportals venezuelanalysis.com finden Sie hier.

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