Kolumbien / Venezuela

Kolumbianischer Spionagefall beschäftigt Venezuela

Geheimdienst DAS soll auch militärische Ziele in Venezuela ausgespäht haben. Parlament in Caracas untersucht Agententätigkeit

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Kolumbianischer Spionagefall beschäftigt Venezuela
El Aissami vor der Nationalversammlung in Caracas

Caracas. Jüngst bekannt gewordene Informationen über Tätigkeiten des kolumbianischen Geheimdienstes in Venezuela könnten erneut einen ernsthaften Konflikt zwischen den beiden Staaten provozieren. Nachdem Venezuelas Innenminister Tarek El Aissami vor wenigen Tagen Erkenntnisse über die Arbeit kolumbianischer Agenten im Land publik machte, befasst sich am heutigen Dienstag die Nationalversammlung in Caracas mit dem Fall, wie die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina berichtet.

Nach Informationen El Aissamis hatten die kolumbianischen Geheimdienstmitarbeiter das Ziel, strategische Informationen zusammenzutragen und die politische Destabilisierung in Venezuela zu fördern. Abgeordnete der Nationalversammlung in Caracas hatten die entsprechenden Informationen, die der Innenminister am Donnerstag vergangener Woche vorgestellt hat, in den vergangenen Tagen gesichtet. Im Zentrum des Interesses steht dabei ein Dokument des Geheimdienstes Kolumbiens, DAS, über die Tätigkeit in Venezuela. Der Geheimdienst DAS untersteht direkt dem rechtsgerichteten kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe.

Nach Angaben El Aissamis gibt das Originaldokument Einschätzungen von DAS-Agenten über ein so genanntes "Falcón-Projekt" wieder, bei dem es um die Spionagetätigkeit in Venezuela geht. Dabei sollten nach Angaben aus Caracas militärische Daten ebenso gesammelt werden wie Informationen über die Bewegungen von Präsident Hugo Chávez und anderer hochrangiger Funktionäre seiner Regierung. Ein weiteres Ziel sei die Bestechung von venezolanischen Regierungsmitarbeitern gewesen.

Zwischen Kolumbien und Venezuela war es in den vergangenen Jahren wiederholt zu Spannungen gekommen. Die Regierung in Caracas und andere Staatsführungen Lateinamerikas werfen Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe eine aggressive außenpolitische Strategie gegen die linksgerichtete Ländermehrheit in der Region vor. In diesem Zusammenhang wird auch die Errichtung sieben US-amerikanischer Militärbasen in Kolumbien gesehen. Der entsprechende Geheimvertrag zwischen Bogotá und Washington war vor wenigen Tagen unterzeichnet worden.

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