Kolumbien / Deutschland

Kritik an Wirtschaftsschau wächst

Empfang zu Beginn der Messe ExpoKolumbien wurde von Protesten begleitet

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Kritik an Wirtschaftsschau wächst
ExpoKolumbien - die Kritik wächst

Berlin/Bogotá. Zu Beginn der Wirtschaftsmesse "ExpoKolumbien" in Berlin hat der kolumbianische Gewerkschafter Rodolfo Vecino Acevedo die laufenden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und seinem Land heftig kritisiert.

Es gebe zwei Gründe, sich gegen dieses Abkommen zu wenden, sagte Vecino. "Zum einen finden in Kolumbien nach wie vor schwerste Verstöße gegen die Menschenrechte statt und viele dieser Verbrechen stehen in Zusammenhang mit sozialen Auseinandersetzungen", sagte er im Gespräch mit amerika21.de in Berlin. Zum anderen habe Kolumbien "nichts zu gewinnen". Die wirtschaftliche Kraft beider Vertragspartner sei sehr unterschiedlich.

Der Vertreter der Erdölgewekschaft USO ist sich sicher: "Ein Freihandelsabkommen würde Kolumbiens kleinere und mittlere Betriebe schwer schädigen, weil das Abkommen Großkonzerne begünstigt. Auch die Folgen für Landarbeiter, die kleine Parzellen bewirtschaften, wären verheerend."

Ungeachtet dieser Kritik hat die Wirtschaftsmesse am gestrigen Montag in Berlin begonnen. Die Wirtschaftsschau mir zwölf Ausstellern aus Kolumbien wird bis zum 30. Oktober dauern. Beteiligt ist neben Wirtschaftsverbänden auch die deutsche entwicklungspolitische Organisation gtz und die Freie Universität Berlin. Für den 29. Oktober hat der kolumbianische Wirtschaftsminister Luis Guillermo Plata sein Kommen angekündigt. NGOs und Gewerkschaften haben dagegen zahlreiche Proteste angekündigt.

"Das Image Kolumbiens soll durch diese Expo auf Hochglanz poliert werden, um Investitionen ins Land zu holen", sagte die entwicklungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Linken, Heike Hänsel. Die Realität sei eine andere als die auf der Messe dargestellte: "Kolumbien ist das Land mit den weltweit meisten politischen Morden an Gewerkschaftern und mit Millionen vertriebener Menschen durch industrielle Großprojekte und Ölpalmanbau." Die Ausstellung sei daher kein Beitrag zu Entwicklung und zum Schutz der Menschenrechte. Es sei daher auch inakzeptabel, dass die staatlichen Entwicklungsorganisationen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz) und Inwent als Mitveranstalter auftreten.

Am gestrigend Abend fand in Berlin ein Empfang im Hauptsitz der gtz nahe des Potsdamer Platzes statt. Am Vorabend hatten Aktivisten eine Mahnwache vor der einer Veranstaltung im Rahmen der Messe abgehalten. Mit einer Videoinstallation informierten sie über Menschenrechtsverletzungen in dem südamerikanischen Land.

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