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Wir übernehmen. Selbstverwaltete Betriebe in Argentinien

Berlin: Veranstaltungen mit dem Soziologen Juan Pablo Hudson aus Rosario, Argentinien
Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung

Was ist aus den Bewegungen in Argentinien, aus dem Aufstand von 2001 und den neuen Formen der Selbstorganisierung geworden? In Argentinien haben damals Arbeiter*innen angesichts drohender Pleiten ihre Betriebe besetzt und in Selbstverwaltung weitergeführt. Nach den spektakulären Anfängen mit heftigen Kämpfen hören wir heute nicht mehr viel von dieser Bewegung. Aber trotz aller Widrigkeiten bestehen die meisten dieser übernommenen Betriebe immer noch, und es kommen neue hinzu. Betriebsbesetzungen gehören inzwischen in Argentinien zum üblichen Repertoire des Arbeiter*innenwiderstands. Aus der Not ist ein Reichtum an Erfahrungen entstanden, die über das Bestehende hinausweisen und andernorts aufgegriffen werden. Angesichts der fortschreitenden Krise stellt sich auch in Europa die Frage, wie wir den Laden übernehmen können, bevor ihn der Kapitalismus völlig zugrunde gewirtschaftet hat.

Juan Pablo Hudson hat ein Buch über die übernommenen Betriebe in Rosario vorgelegt, das 2014 auch auf Deutsch erschienen ist. Er hat die Compañer@s verschiedener Betriebe jahrelang begleitet, als Forscher und Unterstützer. Durch die Zusammenarbeit konnte er zu einigen Kollegen Vertrauensverhältnisse aufbauen und den Übernahmeprozess gemeinsam mit ihnen "von innen" untersuchen. Jenseits der glatten Darstellungen, die üblicherweise veröffentlicht werden, arbeitet er die Widersprüche dieser Experimente heraus: die Abhängigkeit vom Markt, das sich wandelnde Verhältnis zum Staat, und vor allem die Schwierigkeiten der Selbstorganisierung. Die Kolleg*innen berichten von Konflikten zwischen denjenigen, die in der Kooperative Verwaltungs- und Vorstandsaufgaben übernommen haben und den anderen, die weiterhin in der Produktion arbeiten. Auch ein Generationenkonflikt wird deutlich: Das Engagement der älteren Arbeiter*innen, die "ihren" Betrieb gerettet haben, prallt auf die Jobber*innen-Mentalität der neu hinzugekommenen Jüngeren, die auch im selbstverwalteten Betrieb keine große Liebe zur Arbeit entwickeln. Das Buch ist eine Collage aus Geschichten, Reflexion und Analyse, Berichten der Arbeiter*innen und Tagebuchnotizen zum Untersuchungsprozess. So entsteht ein vielschichtiges Bild des Selbstverwaltungsalltags – mit Stärken, Schwächen, Problemen und Perspektiven – das einige Fragen aufwirft, deren Antwort wir erst noch gemeinsam finden müssen.

Dienstag, 28. April, 19 Uhr
Wir übernehmen. Selbstverwaltete Betriebe in Argentinien.
Vortrag und Diskussion mit Juan Pablo Hudson.
Veranstaltungsort:  Mehringhof, Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin

Montag, 27. April, 18-21:30 Uhr
Wir übernehmen – Seminar zu Selbstverwaltung und militanter Untersuchung mit Juan Pablo Hudson.
Veranstaltungsort: Bildungswerk Berlin der HBS, Sebastianstr. 21, 10179 Berlin
Seminar für Austausch und vertiefende Diskussion: Voraussetzung sind eigene Erfahrungen mit Selbstverwaltung, militanter Untersuchung oder Unterstützung von kämpfenden Arbeiter*innen. Wegen begrenzter Plätze ist für dieses Seminar eine Anmeldung erforderlich: global@bildungwerk-boell.de

Hudson, Juan Pablo: Wir übernehmen. Selbstverwaltete Betriebe in Argentinien – eine militante Untersuchung; hrsg. u. übersetzt von Alix Arnold und Gabriele Schwab. Mandelbaumverlag, Wien 2014.

Teilnahme frei.

Infos und Anmeldung unter: global@bildungswerk-boell.de

Diese Veranstaltung wird realisiert aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

Termindaten
Datum: 
27.04.2015, 18:00 - 28.04.2015, 21:00
Stadt: 
Berlin
Veranstaltungsart: 
Tagesseminar
Veranstaltungsart: 
Lesung
Veranstaltungsort: 
28.04.: Mehringhof, Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin - 27.04., Seminar: Bildungswerk Berlin der HBS, Sebastianstr. 21, 10179 Berlin
Veranstalter: 
Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit dem AK Internationalismus der IGM, Contraste und Buchladen Schwarze Risse
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