Chile: "Über Folter spricht man nicht"

Eine Dokumentation des chilenischen Fotografen José Giribás

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Samuel Houston D., in der ehemaligen Klinik Santa Lucia,
19. Oktober 2016, Santiago de Chile
Samuel Houston D., in der ehemaligen Klinik Santa Lucia, 19. Oktober 2016, Santiago de Chile

In Chile gab es circa 1200 geheime Gefängnisse und Folterzentren, davon allein in Santiago mehr als 220. Zwei dieser Orte in Santiago wurden bereits zu Gedenkstätten erklärt, so die "Villa Grimaldi" und "London 38". Sie sind bisher leider auch die einzigen, die eine staatliche Unterstützung erhalten. Andere Folterstätten werden seit damals vom Militär oder der Polizei genutzt, wie der Fall „Borgoño 1470“, die heute die Zentrale der Zivilpolizei ist, zeigt. Ein Ort blieb sogar ein Gefängnis, "3 und 4 Alamos" dient heute als Jugendhaftanstalt.

Viele den Opfern bekannte Folterzentren sind heute in Privatbesitz, wie im Falle von "Venda Sexy" in Santiago. Die Colonia Dignidad ist von denen das bekannteste und berüchtigste. Sowohl die chilenische als auch die deutsche Regierung haben erst vor kurzem begonnen, auch dafür Verantwortung zu übernehmen und erste Schritte zur Aufarbeitung der Vergangenheit zu gehen.

Da auch die chilenische Diktatur keine Spuren hinterlassen wollte, existiert allerdings die überwiegende Mehrheit dieser Original-Schauplätze der Verbrechen nicht mehr. Doch das Interesse von Überlebenden und Angehörigen der Opfer, jene Plätze als Orte der Erinnerung auch für nachfolgende Generationen zu erhalten, ist ungebrochen. Nur Dank der Arbeit verschiedener Gruppen von Überlebenden und Angehörigen wurden und werden diese Folterstätten vor Zerfall und weiterer Zerstörung geschützt. Jetzt gilt es, die wenigen dieser noch existierenden historischen Orte vor der völligen Zerstörung zu bewahren.

Mein Projekt ist eine Fotodokumentation von 13 Orten, wo ermordet und gefoltert wurde. Gezeigt werden 10 in Santiago, einer in Parral (Colonia Dignidad), weitere in Valparaíso (Kaserne Silva Palma) und Punta Arenas (Palast des Lächelns). Ergänzt wird diese Dokumentation durch Porträts von circa 20 Zeitzeugen und ihren Berichten.

Ich widme dieses Projekt den Ermordeten und Überlebenden der Pinochet-Diktatur.

Ich danke den vielen mutigen Frauen und Männern, die seit 45 Jahren für Gerechtigkeit und Anerkennung, auch durch die chilenische Gesellschaft, kämpfen.

Ihr Schicksal darf nicht vergessen werden!

José Giribás

Ausstellungen:

09.09. - 1.10.2018

Im Rahmen des Festivals "Fotoszene Köln"

Künsträume der Michael Horbach Stiftung

Wormser Straße 23 (Hinterhof), 50677 Köln

Vernissage: 09.09.2018 von 11:00 bis 14:00 Uhr

11.09. - 25.09.2018

Haus der Bundespressekonferenz

Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin

Vernissage: 11.09.2018, 17 Uhr

30.09. - 21.10.2018

Vernissage: 30.09.2018, 17 Uhr

Im Rahmen des European Month of Photography Berlin

Galerie Tapir

Neue Hochstraße 8, 13347 Berlin

Vernissage: 30.09.2018, 17 Uhr
Ausstellungsführung mit dem Autoren (Deutsch): 10.10.2018, 19:00 Uhr
Finissage: 21.10.2018, 17:00 Uhr

Termindaten
Datum: 09.09.2018, 11:00 - 21.10.2018, 21:00
Stadt: Köln und Berlin
Veranstaltungsart: Fotoausstellung
Veranstaltungsort: - Kunsträume der Michael Horbach Stiftung, Wormser Straße 23 (Hinterhof), 50677 Köln - Haus der Bundespressekonferenz, Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin - Galerie Tapir, Neue Hochstraße 8, 13347 Berlin
Veranstalter: Michael Horbach Stiftung, Tapir, EMOP