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15.06.2016 Argentinien / USA / Militär / Politik / Umwelt

Krater für den Frieden – wie der militärisch-industrielle Komplex die Abrüstung überlebte

Dokumentarfilm von Gaby Weber
Film von Gaby Weber

Film von Gaby Weber

Quelle: gabyweber.com

In dem anderthalbstündigen Film geht es um die Pariser Abrüstungskonferenz 1960 und darum, wie die Regierung der USA zusammen mit der US-Rüstungsindustrie die Vorschläge des sowjetischen Staatschefs, Nikita Chroustschow, – darunter ein Friedensvertrag für ein neutrales Gesamtdeutschland und ein Ende des Rüstungswettlaufs – zu Fall brachte. Ein Ende des Kalten Krieges hätte an ihrer Vormachtstellung gerüttelt. Wie gelang es ihr, die Abrüstung und ein neutrales Gesamtdeutschland zum Scheitern zu bringen?

Dazu gibt es eine offizielle Version und eine Geschichte, die in dem Dokumentarfilm "Krater für den Frieden" zum ersten Mal erzählt wird. Die Journalistin Gaby Weber zeigt in ihrem neuen Film zahlreiche bisher geheime Dokumente aus US-Archiven, vom argentinischen Geheimdienst und aus dem Archiv der Kathedrale von San Isidro, einem Vorort von Buenos Aires.

Der Geheimdienst CIA startete eine ganze Reihe von Provokationen, um die Gipfelkonferenz scheitern zu lassen: Er schickte ein Spionageflugzeug U-2 auf einer derart niedrigen Flughöhe in den russischen Flugraum, dass es die sowjetischen Flugabwehr erkennen musste. Und die US-Atomenergiebehörde AEC führte – trotz eines Moratoriums und trotz der eigenen Gesetzgebung – Atomwaffentests im Süden Argentiniens durch. Diese unterirdischen Atomsprengungen geschahen unmittelbar vor dem gigantischen Erdbeben von Valdivia in Chile mit einer Stärke von 9,5 auf der Richterskala – das schwerste bisher gemessene. Physiker halten es für wahrscheinlich, dass diese Atomsprengungen in Argentinien das Erdbeben auf der anderen Seite der Anden ausgelöst hatten.

Dies erklärt die absolute Geheimhaltung bis zum heutigen Tag. Keiner der Beteiligten will darüber reden. Und schon gar nicht die US-Erdölindustrie, die auf Fracking setzt. Denn es ist bekannt, dass unterirdische Sprengungen Erdbewegungen verursachen. Werden diese in einer Region durchgeführt, wo tektonische Platten aufeinanderstoßen, dann können auch extreme Beben mit verursacht aber ausgelöst werden. Und in Argentinien bedient sich unter anderem Chevron des Frackings in Vaca Muerta, ganz in der Nähe der Anden.

In Argentinien wurde der Film im April in der Nationalbibliothek aufgeführt und die Autorin kam in mehreren Fernsehsendungen zu Wort. Die Nationale Energiebehörde behauptet, von diesen Atomversuchen nichts zu wissen und nicht beteiligt gewesen zu sein. Dass sie aber noch bis in die 60er Jahre an der sogenannten "zivilen Nutzung" der Atomenergie festhielt, darunter auch für Sprengungen zum Kanalbau, bestreitet sie nicht. In Deutschland waren es die Nachdenkseiten und andere blogs, die auf den Film, der auch in spanischer und englischer Fassung vorliegt, hinwiesen. Er wurde außerdem im Latinokino im Künstlerhaus Bethanien in Berlin-Kreuzberg gezeigt.

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31.01.2014 Nachricht von Kerstin Sack