21. Jan 2009 | Deutschland | Kolumbien | Medien

Terror, welcher Terror?

ARD zeigt einseitiges Kolumbien-Bild

DruckversionEinem Freund senden

Viel FARC, etwas Escobar und ein demokratischer Rechtsstaat, das ist die Melange, mit der ARD-Korrespondent Stefan Schaaf am Sonntag Kolumbien präsentierte. Der Leiter des ARD-Studios in Mexiko-Stadt zeigte eben jenes einseitige Kolumbien-Bild, das die bürgerlichen Medien hierzulande gern vermitteln.

Seinen Film mit dem Titel "Terror in Kolumbien. Von Geiseln und Rebellen" beginnt er mit der Befreiung Ingrid Betancourts aus den Händen der FARC. Kein Wort über den dabei verursachten Bruch der Genfer Konvention durch die kolumbianische Armee, die dabei in das benachbarte Ecuador einmarschiert war. Vielmehr zeigt Schaaf den Zuschauern ein deutlich positives Bild des kolumbianischen Präsidenten, der für die Befreiung der kolumbianisch-französischen Politikerin verantwortlich zeichnete. Kein Wort über die rechtsextreme Politik Uribes, kein Wort über die Verbindung zwischen Uribes Politik und den Paramilitärs. Paramilitärs werden nur kurz mal erwähnt und dann auch nur als die Gegenspieler der Guerilla. Mit keinem Wort erwähnt Schaaf die Opfer der staatlichen Gewaltpolitik: Gewerkschafter, linke Oppositionelle, die von der Regierung gerne als Guerilleros bezeichnet und stigmatisiert werden.

Mit diesem Beitrag machte Schaaf deutlich, dass er sein Gehalt verdient hat - für regierungsfreundliche Berichterstattung.

Weitere Sendetermine auf Phoenix: 24.01.09, 11.00 Uhr Ι So, 25.01.09, 07.30 Uhr Ι So, 25.01.09, 18.00 Uhr

Ein deutlich anders Kolumbien-Bild lieferte Renate Werner direkt im Anschluss in ihrer Dokumentation "Kein Brot für Öl". Dort wurden staatlich gebilligte Vertreibungen von Kleinbauern, die Ermordung eben jener durch rechte Paramilitärs und oppositionelle Politiker in Kolumbien erwähnt.

Dieser Beitrag wird jedoch nicht wiederholt.


Den Originalbeitrag und andere interessante Texte finden Sie bei Redblog.

Neuen Kommentar schreiben

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Abonnieren Sie unseren täglichen oder wöchtenlichen E-Mail-Newsletter » jetzt eintragen

Ähnliche Inhalte: FARC + Paramilitarismus + ARD + Stefan Schaaf

17. Mai | Kolumbien | Politik

Kolumbiens Parlament ebnet Weg für Friedensverhandlungen

"Der Schuss ging nach hinten los" - Fotomontage der FARC zum Anschlag in Bogotá

Bogotá. Mit 126 gegen 4 Stimmen haben die Abgeordneten des kolumbianischen Repräsentantenhauses ein Gesetzesprojekt angenommen, das einen rechtlichen Rahmen für Friedensverhandlungen mit bewaffneten Gruppen schaffen soll. … weiter >

15. Mai | Kolumbien | Politik

FARC wollen französischen Journalisten freilassen

Romeo Langlois

Bogotá. Die kolumbianische Guerillaorganisation FARC hat ihre Bereitschaft erklärt, den französischen Journalisten Romeo Langlois freizulassen. … weiter >

Gewalt und Chaos regiert im Norden von Honduras

Gewaltsame Räumung einer Siedlung in Bajo Aguán

Steigende Aggressionen gegen Kleinbauern. Anstieg militärischer und paramilitärischer Aktivitäten in der Region Bajo Aguán

Tocoa/Bajo Aguán. Das lokale Menschenrechtszentrum OPIDHA in Bajo Aguán hat auf erneute schwere Menschenrechtsverletzungen und die weiterhin stark angespannte Situation in der  … weiter >