Hunderte Festnahmen bei Bildungsprotesten in Chile

DruckversionEinem Freund senden

Santiago de Chile. Am Donnerstag dieser Woche haben in Chile erneut massiv Studierende, Schüler, Lehrer und andere gesellschaftliche Gruppen für ein besseres und gerechtes Bildungssystem und gegen Bildungsprivatisierung protestiert. Innenminister Rodrigo Hinzpeter hatte die Proteste vorab verboten, wobei er sich auf ein Dekret aus den Zeiten der Diktatur von Augusto Pinochet (1973-1990) bezog. Spezialeinheiten der Carabineros begegneten den Protesten gewaltsam, es wurden Wasserwerfer und soviel Tränengas eingesetzt, so dass man Berichten des Radiosenders Cooperativa zufolge am Abend die Luft in Santiago "nicht mehr atmen konnte".

Gegen die Repression wurde am Abend zu einem "Cacerolazo" aufgerufen – eine Protestform der Massenproteste gegen die Diktatur Pinochets in den 80er Jahren: Tausende Chilenen gingen am Abend spontan auf die Straße oder auf ihre Balkone und schlugen Töpfen und Pfannen.

Kurz zuvor besetzte eine Gruppe von Studierenden Räume des Senders Chilevision, um ihre Protestbotschaft zu verbreiten. Auch auf die Proteste am Abend wurde mit harter Repression reagiert. Landesweit gab es rund 550 Verhaftete.

Am Donnerstagmittag wurden die bisher schlechtesten Ergebnisse zur neuesten Regierungsumfrage bekannt: Nur noch 26 Prozent der Chilenen stehen demnach hinter der Regierung des Konservativen Sebastián Piñera, 53 Prozent lehnen sie ab.

(ksch/radiocooperativa)

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Abonnieren Sie unseren täglichen oder wöchtenlichen E-Mail-Newsletter » jetzt eintragen

Ähnliche Inhalte: Studierende + Repression + Protest + Universitäten

Brasilien untersucht seine Vergangenheit

Szene während des Staatsstreichs in Brasilien 1964

Wahrheitskommission soll binnen zwei Jahren Staatsverbrechen aus über vier Jahrzehnten aufarbeiten. Starke Widerstände aus der Armee

Brasília. Brasiliens Wahrheitskommission, die unter anderem die Verbrechen während der Militärdiktatur (1964-1985) untersuchen soll, ist offiziell eingerichtet. … weiter >

Chilenisches Gericht spricht Mapuche frei

Im Gerichtssaal

Santiago de Chile. Ein Gericht im chilenischen Angol hat sieben Mitglieder der Mapuche-Volksgruppe aus Chequenco von den Vorwürfen freigesprochen, vor zwei Jahren einen Bombenanschlag auf ein Fahrzeug eines Forstunternehmens begangen zu haben. Das Fahrzeug war am 14. Juli 2010 von Unbekannten angegriffen worden. … weiter >

Bildungsproteste in Chile flammen wieder auf

Studierende und Schüler gehen in Chile wieder auf die Straße

Santiago de Chile. In Chile sind in dieser Woche erneut zehntausende Schüler und Studenten auf die Straße gegangen, um für weitreichende Reformen des Bildungssystems zu demonstrieren. … weiter >