7. Nov 2011 | Kolumbien | Soziale Bewegungen

Hochschulreform in Kolumbien stößt auf größte Proteste seit Jahrzehnten

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Bogotá. In 31 kolumbianischen Städten sind Ende vergangener Woche etwa 600.000 Studierende auf die Straße gegangen. Sie protestierten gegen die geplante Reform des Hochschulgesetzes, die im Senat diskutiert wird. Seit dem 11. Oktober sind in Kolumbien 37 öffentliche und 17 private Hochschulen in einen unbefristeten Streik getreten. Die Studierenden verweigern inzwischen Verhandlungen mit der Regierung: "Damit es wieder zu einem Dialog mit der Regierung kommen kann, müsste diese das Gesetzesvorhaben zurückziehen", sagte Sergio Fernández, einer der Sprecher der landesweiten Studierendenvertretung "Mesa Amplia Nacional Estudiantil" (MANE). Seit den 70er Jahren habe es eine solch breite Studierendenbewegung nicht mehr gegeben.

In der Hauptstadt Bogota versammelten sich nach einem abendlichen Karnevalsumzug durch die Stadt mehr als 10.000 Protestierende auf dem zentralen Platz der Stadt. Die Demonstrationen verliefen weitgehend friedlich. Die Bildungsministerin Maria Campo hatte eine öffentliche Diskussion mit Studierendenvertretern über die Gesetzesvorlage kurzfristig wieder abgesagt. Präsident Juan Manuel Santos hatte zuvor erklaert, ihm gehe es um eine bessere Qualität der Hochschulen. Er verstehe die Proteste der Studierenden nicht. Deren Kritik am Gesetz besteht unter anderem in der Befürchtung, öffentliche Universitäten mit ohnehin eingeschränkten Mitteln könnten noch rascher privatisiert und der Zugang zur Hochschulbildung für Schüler aus finanziell schwachen Haushalten noch mühsamer werden. Private Universitäten befürchten ebenfalls Einschränkungen und noch stärkeres Outsourcing von Teilen des universitären Betriebs.

Der Status als Universität wird nach dem Gesetzesentwurf über strenge Kriterien an- und aberkannt. Verliert eine öffentliche Universität diesen Status, werden ihre Mittel gekürzt. Inneruniversitäre Demokratie werde praktisch abgeschafft, Bildung werde zu einer reinen Dienstleistung, fasst Fernández zusammen. Über den Gesetzesentwurf soll bis zum kommenden Samstag, 12. November, entschieden werden.

(ajen)

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