Mapuche in Hungerstreik

Indigene Aktivisten in Chile fordern Freilassung politischer Gefangener. Medien des Landes informieren nicht

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Santiago de Chile. Seit Jahren tobt auf dem historischen Siedlungsgebiet der Mapuche um den Fluss Bío Bío, knapp 530 Kilometer südlich der chilenischen Hauptstadt Santiago, ein unbeachteter Kampf um Land und Bodenschätze. Gegen die Politik der neuen rechtsgerichteten Regierung von Sebastian Piñera, die auf Strafverfolgung und Repression statt auf Dialog setzt, demonstrieren in mehreren Städten im Süden Chiles derzeit wieder tausende Menschen.

Die Forderungen der Demonstranten sind die sofortige Freilassung von Duzenden inhaftierten Aktivisten der indigenen Mapuche-Minderheit sowie die Abschaffung des Antiterrorgesetzes. Der gefürchtete Paragraf aus Zeiten der Pinochet-Diktatur wurde 1984 zwecks Verfolgung der Opposition erlassen, noch heute dient die Norm als juristische Keule gegen Systemkritiker.

Luis Tralcal Quidel, 34 Jahre und Vater eines zehnjährigen Sohnes, konnte so ein Jahr lang in Beugehaft gehalten werden. Das Gesetz erlaubt gar zwei Jahre Untersuchungshaft. Zwölf Monate nach seiner Festnahme Juli 2009 wegen eines Brandanschlages im Jahr 2006 auf den Maschinenpark einer Holzfirma in der Ortschaft Chol Chol und eines Angriffs auf einen Reisebus wurde das Verfahren vergangene Woche eröffnet. Doch musste das Gericht den Angeklagten aus Mangel an Beweisen freisprechen.

Zuvor waren in Solidarität mit Tralcal 31 Mapuche-Gefangene, die in Gefängnissen im ganzen Land verteilt sind, in den Hungerstreik getreten. Doch verhindern Terror-Paragraf und Militärrecht, die parallel Anwendung finden, seine Freilassung. Tralcal soll "führendes Mitglied" der radikalen Mapuche-Organisation Coordinadora Arauco Malleco (CAM) sein und in Kolumbien eine paramilitärische Ausbildung durchlaufen haben. In Lateinamerika ist das ein klassischer Vorwurf gegen linke Oppositionelle.

Chiles Medien ignorieren die Hintergründe der jüngsten Proteste. "Die Mehrheit von Chiles Bürger wissen nicht, dass 60 Mapuche und Mitstreiter in Haft sitzen und Gerichtsverfahren gegen sie laufen", schlägt José Aylwin vom chilenischen Menschenrechtsbündnis Observatorio Cuidadano Alarm. Allein alternative Medien würden Hintergründe berichten. Chiles neuer Präsident Sebastian Piñera setzt wie schon seine Vorgänger auf hartes Durchgreifen, die Militarisierung des Südens geht weiter.

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