SS-Mann Barbie arbeitete für BND in Bolivien

West-Geheimdienst warb den "Schlächter von Lyon" Anfang 1966 an. Einstellung als "rechtsstehend und antikommunistisch" gepriesen

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Berlin. Der ehemalige Nazi-Kriegsverbrecher Klaus Barbie hat für den deutschen Auslandsgeheimdienst BND und die US-amerikanische CIA 1966 in Bolivien gearbeitet. Das geht aus umfangreichen deutschen und US-amerikanischen Geheimdienst-Akten hervor, die der Mainzer Historiker Peter Hammerschmidt erstmals einsehen konnte und die amerika21 vorliegen. Einen Teil dieser Unterlagen zitiert auch das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel in einem Artikel in seiner aktuellen Ausgabe.

Demnach war Barbie, dem schwere Kriegsverbrechen in Frankreich nachgewiesen werden konnten, in Bolivien und anderen Staaten Lateinamerikas damit betraut, antikommunistische Strukturen und paramilitärische Verbände aufzubauen. Erst 1983 wurde der als "Schlächter von Lyon" bekannte Ex-SS- und Gestapo-Funktionär von der demokratischen Regierung Boliviens nach Französisch-Guayana deportiert und von dort aus nach Frankreich verbracht. Nach seiner Verurteilung starb er dort 1991 in Haft.

Nach Hammerschmidts Recherchen wurde Barbie bereits 1947 von US-Behörden angeworben. "Im Frühjahr 1946 stand er auf Fahndungslisten der Alliierten. Ab April 1947 stand er auf den Gehaltslisten des Militärgeheimdienstes CIC", sagt der Historiker, nach dessen Quellenstudien die US-Geheimdienste die "ausgeprägte antikommunistische Haltung" Barbies priesen. Erst 1951 sei Barbie über die als "Rattenlinie" bekannte Fluchtroute nach Bolivien gebracht worden.

Anders als viele seiner flüchtigen Kameraden habe sich Barbie nicht damit begnügt, unter falschem Namen in Südamerika unterzutauchen, so Hammerschmidt. Nach dem Militärputsch von General René Barrientos Ortuño im Jahre 1964, hatten sich Barbies Beziehungen zu einflussreichen Offizieren der bolivianischen Armee derart verfestigt, dass er selbstbewusst in der Öffentlichkeit auftreten konnte, schildert der Historiker  in einem ausführlichen Interview mit dem Nachrichtenportal Telepolis.

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Das Barrientos-Regime hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits Barbies Geheimdienst-Fähigkeiten zunutzen gemacht. "Im Hauptquartier der Armee erteilte er Mitgliedern des militärischen Geheimdienstes 'Lehrstunden' für den Kampf gegen die politische Opposition. Diese Lektionen erstreckten sich auf Themen wie 'Verhörtechniken', 'Folter' und 'Anti-Guerilla-Maßnahmen'", schildert Hammerschmidt. Später habe Barbie zudem andere südamerikanische Militärdiktaturen mit Waffen beliefert. In der Tat bestätigt ein Memorandum der US-Botschaft in Guatemala Barbies Kontakte zu antikommunistischen Regimes und Diktatoren in der gesamten Region (siehe Anhang).

Neben dieser Tätigkeit war Barbie für den Geheimdienst der Bundesrepublik Deutschland tätig (siehe Anhang 2). "Die BND-Akte von Klaus Barbie, die ich nach einer Beschwerde beim Bundeskanzleramt im September 2010 endlich einsehen konnte, bestätigt den Verdacht, dass Klaus Barbie unter seinem Pseudonym 'Klaus Altmann' seit Mai 1966 in engem Kontakt mit dem westdeutschen Geheimdienst stand", so Hammerschmidt.

Demnach hatten die "einflussreichen privaten und geschäftlichen Beziehungen" Barbies in Südamerika den Ausschlag für die Zusammenarbeit gegeben. Die unmittelbare Kontaktaufnahme erfolgte durch den Oberst der Wehrmacht a. D. Walter Drück, Korrespondent der westdeutschen Waffenfirma MEREX, die enge Beziehungen zum BND unterhielt. Zur politischen Gesinnung des Informanten hieß es in den Geheimdienstakten knapp: "1930 Eintritt in die HJ, rechtsstehend und antikommunistisch". In einem BND-Memorandum vom 21. September 1966 ist zudem zu lesen: "Betr.: V- 43 118: Die Tatsache allein, dass V-43 118 SS-Hauptsturmführer war, schließt nicht aus, ihn als Quelle zu verwenden."

Erst als neue Informationen zu Barbie in der internationalen Presse auftauchten, stellte der BND nach nur sieben Monaten die Zusammenarbeit mit Barbie ein.

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