29. Jan 2011 | Venezuela | Wirtschaft

Venezuelas Regierung unterstützt Kleinbauern

"Misión AgroVenezuela" soll landwirtschaftliche Produktion erhöhen. Durch Unwetter geschädigten Kleinbauern werden Schulden erlassen

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Caracas. Die venezolanische Regierung startet eine neue Offensive zur Ausweitung der landwirtschaftlichen Produktion. Bis zu 200.000 kleine und mittlere Agrarproduzenten sollen von dem "Misión AgroVenezuela" genannten Programm von staatlichen Krediten und technischer Unterstützung profitieren. Dies erklärte der Präsident des südamerikanischen Landes, Hugo Chávez, am Dienstag.

Die Regierung verspricht sich von der Misión einen Anstieg von 50 bis 70 Prozent bei Getreide, Reis und Maisanbau innerhalb von zwei Jahren. Zudem sollen durch einen Zensus ausführliche Daten über kleinbäuerliche Betriebe und landwirtschaftliche Nutzflächen erhoben werden, um Subventionen und Kredite zukünftig zielgerichteter zu vergeben. Bisher waren landwirtschaftliche Entwicklungsprogramme oft durch mangelnde Einbindung bestehender Strukturen umgesetzt worden. Sowohl von der Kooperativenförderung und den "Endogenen Entwicklungskernen" aus den ersten Regierungsjahren, als auch in den seit 2005 gegründeten agroindustriellen Staatskonzernen waren lokale landwirtschaftliche Betriebe meist ausgeschlossen. Bei der Ankündigung des Programms "AgroVenezuela" rief Präsident Chávez nun auch private Banken und Agrarproduzenten mit Nutzflächen bis zu 5.000 Hektar auf, sich zu beteiligen.

Bereits in der Vorwoche hatte Chávez per Präsidialdekret den Schuldenerlass für die von Ernteausfällen betroffenen Agrarproduzenten des Landes beschlossen. Schwere Unwetter hatten im November und Dezember letzten Jahres zu massiven Überschwemmungen und Erdrutschen geführt. Erhebliche Ernteverluste waren die Folge. Mit dem Dekret sollen neben den staatlichen Agrarinstituten auch private Banken kleinen und mittleren Agrarproduzenten Kredite erlassen.

Bei einem Besuch eines von Arbeitern kontrollierten Landwirtschaftsunternehmen im östlichen Bundesstaat Portuguesa versprach Chávez der Region außerdem Soforthilfen in Höhe von 10 Mio. US-Dollar. Sie sollen für die Wiederherstellung landwirtschaftlicher Nutzflächen und bei den Unwettern zerstörter Geräte genutzt werden. Unterdessen gab das Landwirtschaftsministerium Anfang der Woche bekannt, mit China ein Abkommen über die Lieferung von Soja, Getreide und Bohnen abgeschlossen zu haben. Durch die Importe sollen die Lebensmittelreserven Venezuelas nach der Unwetterkatastrophe auf drei Monate erhöht werden.

Seit dem Aufstieg zu einem der weltweit wichtigsten Erdölexporteure Mitte des 20. Jahrhunderts importiert das einstige Agrarland Venezuela heute mehr als 70 Prozent seiner Lebensmittel. Wegen des rasanten Bevölkerungszuwachses seit den 1980er Jahren konnte auch der leichte Anstieg landwirtschaftlicher Produktion in der Regierungszeit Chávez' die Importabhängigkeit Venezuelas im Bereich der Lebensmittel nicht verringern.

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