12. Mär 2011 | Deutschland | Kuba | Politik

Deutscher Skandal-Diplomat geehrt

Ehemaliger Botschaftsmitarbeiter Volker Pellet erhält Preis von kubanischer Exilorganisation. Diplomat hatte Systemoppositionelle in Kuba unterstützt

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Berlin. Nach seiner Abberufung aus dem diplomatischen Dienst in Kuba ist der deutsche Diplomat Volker Pellet von einer rechtsgerichteten lateinamerikanischen Organisation für die Unterstützung Systemoppositioneller in dem sozialistischen Inselstaat ausgezeichnet worden. Wie nun bekannt wurde, erhielt der ehemalige Wirtschaftsbeauftragte der bundesdeutschen Botschaft vor wenigen Wochen in Berlin einen Preis "für engagierte Diplomatie in Kuba 2009-2010". Übergeben wurde das Dokument der ursprünglich exilkubanischen Organisation CADAL Ende Januar in den Räumen der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Berlin. Pellet bekam den Preis dort von dem Lateinamerika-Beauftragten der KAS, Hans Blomeier, überreicht. Auf der Internetseite der KAS erschien dennoch keine Nachricht über die Ehrung.

Pellet hatte während seiner Amtszeit in der deutschen Botschaft in Havanna massive Konflikte zwischen Berlin und Havanna provoziert, weil er an Demonstrationen oppositioneller Gruppen teilnahm. Die Beteiligung an den öffentlichen Veranstaltungen war von kubanischer Seite als Einmischung in innere Angelegenheiten und Verstoß gegen diplomatische Gepflogenheiten kritisiert worden. Neben Pellet nahmen in Absprache mit EU-Gremien auch diplomatischer Vertreter anderer EU-Staaten und der USA an Aktivitäten von Gegnern der sozialistischen Regierung teil. Nach der Veröffentlichung von Bildern Pellets auf Demonstrationen wurde der Diplomat von deutschen Außenministerium aus Havanna abberufen.

Bei der Auszeichnung in Berlin nun bedankte sich Pellet für die Anerkennung der Organisation CADAL, die den Vorsitz des rechtsgerichteten Netzwerks "Red Puente Democrático Latinoamericano" innehat. Er sei froh, dass seine Arbeit gegen die kubanische Regierung "offenbar von vielen Dissidenten anerkannt wurde", sagte er entsprechend einer Dokumentation seiner Dankesworte auf der Internetseite des Netzwerks. Zugleich erkannte Pellet an, dass der Einfluss ausländischer Diplomaten auf die kubanische Innenpolitik begrenz ist. Veränderungen könne "nur die kubanische Zivilgesellschaft erreichen". Er hoffe, dass künftige Diplomaten in diesem Sinne "einen Schritt voran gehen".

Vor wenigen Tagen hatten kubanische Behörden die Vorwürfe gegen europäische Diplomaten noch einmal bekräftigt. Der Inlandsgeheimdienst veröffentlichte ausführliche Interviews mit zwei Agenten, die über mehrere Jahre hinweg Gruppierungen der Systemgegner unterwandert hatten. Einer dieser beiden Agenten, Carlos Serpa Maceira, war in dieser Zeit zum Pressebeauftragten mehrerer dieser Gruppierungen aufgestiegen. Im Interview mit dem Sender Radio República erhob er schwere Vorwürfe gegen die Botschaften. "Hier in Havanna gibt es eine ausgewählte Gruppe von EU-Botschaften, von denen die Subversion offen unterstützt wird", sagte Serpa Maceira. Ein Beispiel sei der ehemalige deutsche Botschaftsrat Volker Pellet.

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