14. Mai 2011 | Ecuador | Kolumbien | Venezuela | Militär | Politik

Venezuela-FARC: Magischer Laptop reloaded

Britisches Sicherheitsinstitut wertet Computer des getöteten FARC-Mitglieds Raúl Reyes aus. Authentizität der Daten ist seit jeher umstritten

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London. Das in London ansässige International Institute for Strategic Studies (IISS) hat am Dienstag ein Dossier veröffentlicht, das den angeblichen Inhalt der Computer des 2008 getöteten Führungsmitglied der kolumbianischen Guerillaorganiation, Raúl Reyes, aufbereitet. Laut Medienberichten soll der venezolanische Präsident Hugo Chávez nach seinem Amtsantritt 1999 die FARC finanziell und logistisch unterstützt haben.

Die kolumbianische Guerilla habe demnach sogar das Recht erhalten, auf venezolanischem Territorium zu operieren. Auch seien Chávez-Anhänger von der FARC trainiert worden. Die Guerilla sei von der venezolanischen Regierung zudem gebeten worden, zwei Oppositionspolitiker zu töten. Auch die ecuadorianische Regierung habe eng mit den FARC zusammengearbeitet. Unter anderem sei Präsident Rafael Correa während seines Wahlkampfes von der Guerilla finanziell unterstützt worden. Die Anschuldigungen sind teilweise nicht neu, erhalten durch die Veröffentlichen des konservativen IISS jedoch wieder mediales Echo.

Die venezolanische und die ecuadorianische Regierung dementierten die Aussagen des britischen Dossiers. Bereits unmittelbar nach der angeblichen Beschlagnahmung der Computer im Jahr 2008 hatten beide Regierungen die Daten als Fälschungen bezeichnet. Chávez und der kolumbianische Präsident Manuel Santos haben sich bisher nicht geäußert. Die Beziehungen der beiden Länder hatten sich dem Abgang von Álvaro Uribe und dem Amtsantritt von Manuel Santos erheblich verbessert.

Bei einem Raketenangriff auf ecuadorianisches Territorium waren am 1. März 2008 die damalige Nummer Zwei der FARC, Raúl Reyes, und weitere mutmaßliche Guerilleros getötet worden. Das Vorgehen Kolumbiens hatte zu ernsten diplomatischen Spannungen mit den Nachbarländern geführt. Angeblich konnte die kolumbianische Armee drei Laptops, zwei externe Festplatten und drei USB-Sticks völlig unbeschadet aus dem zerstörten Camp retten. Anschließend präsentierte die Uribe-Regierung der Öffentlichkeit häppchenweise vermeintliche Belege, die Verbindungen zwischen jenen, die sich für eine politische Lösung des bewaffneten Konfliktes in Kolumbien einsetzen und den FARC beweisen sollten. Später untersuchte Interpol die Computer.

Der Bericht der internationalen Polizeibehörde kam keineswegs zu dem Ergebnis, die Computer-Dateien seien authentisch, sondern enthielt einige Widersprüche. So seien die Daten zwischen dem 1. März und 3. März "nicht entsprechend der international anerkannten Prinzipien zum Umgang mit elektronischen Beweismitteln" behandelt worden.

Zwar lägen laut Interpol keine Beweise vor, dass die Daten generell manipuliert seien. Gleichzeitig stieß die internationale Polizeibehörde jedoch auf zahlreiche Unregelmäßigleiten, wie etwa tausende in die Zukunft datierte Dateien. Völlig unklar ist darüber hinaus, ob die Computer tatsächlich Raúl Reyes gehört haben.

Aufgrund der Verletzung internationaler Standards bei der Beweissicherung sind die Daten wahrscheinlich juristisch belanglos. Vor einem Gericht werden die angeblichen Beweise somit kaum landen.

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