1. Jun 2011 | Chile | Politik

Zweifel an Selbstmord Allendes nehmen zu

Internationales Expertenteam exhumiert Leiche und wertet Militärberichts aus dem Jahr 1973 aus. Zwei Einschusslöcher gefunden

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Santiago de Chile. Eine Woche nach Beginn der Exhumierung der Leiche des ehemaligen chilenischen Präsidenten Salvador Allende haben erste Ergebnisse die Zweifel an der These eines Selbstmordes genährt. Ein internationales Expertenteam untersucht derzeit die Überreste Allendes und wertete historische Dokumente aus, um das Geschehen während des Putsches gegen die demokratisch gewählte Regierung Chiles am 11. September 1973 zu klären.

Im staatlichen Nachrichtensender TVN berichtet der uruguayische Forensiker Hugo Rodríguez, dass neben den Verletzungen des Maschinengewehrs AK-47, mit der sich Allende erschossen haben soll, noch ein anderes Projektil kleineren Kalibers ein Loch in den Schädelknochen hinterlassen haben soll. Dieses Projektil sei auf Allende abgefeuert worden, bevor das Hochgeschwindigkeitsgeschoss aus der AK-47 in den Kopf eintrat. Von den Putschisten war behauptet worden, Allende habe sich mit einem aufgesetzten Schuss seines Gewehres selbst getötet.

Rodríguez hatte unter anderem ein Dokument ausgewert, dass im Haus des bereits verstorbenen Generals Javier Palacios gefunden wurde. Palacios hatte die Panzereinheit kommandiert, die am 11. September 1973 den Präsidentenpalast La Moneda angegriffen hatte. Der Militär bestätigt in dem Dokument entgegen öffentlicher Aussagen, dass Allende alle Kugeln seiner Magazine abfeuerte und seine Hände voller Schmauchspuren waren. Zudem habe der tote Präsident eine Gasmaske und einen Helm getragen, als er ihn identifizierte, heißt es in dem Dokument Palacios. Der General war nach dem Putsch durch seine Meldung an den späteren Diktator Augusto Pinochet berühmt geworden: "General Palacios an General Pinochet. Auftrag ausgeführt. Moneda genommen. Präsident tot."

Der Forensiker Rodríguez ist bekannt für seine Methode der "historischen Autopsie", die in der Regel Anwendung findet, wenn die Überreste nicht verfügbar oder nicht ausreichend zur Erstellung eines Gutachtens sind. Die Methode beinhaltet eine kritische Lektüre und Prüfung der verfügbaren Dokumente und Augenzeugenberichte. Neben dieser Methode sind andere Gerichtsmediziner mit der Untersuchung der Leiche Allendes betraut.

Parallel zu der Untersuchung des Todes von Salvador Allende hat die Kommunistische Partei Chiles von den Gerichten des südamerikanischen Landes auch eine Untersuchung des Todes von Pablo Neruda gefordert. Der Dichter und Anhänger der Regierung von Allende war wenige Wochen nach dem Putsch gestorben.

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