3. Sep 2007 | Venezuela | Medien

Erstweltpropagandisten

Petro-Populist, Caudillo und nun also auch Schurke an der Seite von Ahmadinedschad, Lukaschenko und Kim Jong Il: DIE ZEIT beweist in ihrer Berichterstattung über den venezolanischen Staatspräsidenten Einfallsreichtum und Hartnäckigkeit.

DruckversionEinem Freund senden

Groß ist er abgebildet, auf Seite acht der aktuellen Zeit-Ausgabe. Rotes Hemd, ein ebenso roter Helm des staatliche Erdölkonzerns PdVSA auf dem Kopf, die Faust gen Himmel gestreckt und den iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadineschad an seiner Seite. Daneben die Überschrift des Artikels von Michael Thumann und Reiner Luyken „Edel sei der Schurke, hilfreich und gut“.

Der Leser erfährt also gleich, was die Autoren von Venezuelas Staatspräsidenten halten. Nämlich reichlich wenig. Kein Einzelfall bei ZEIT-Autoren, deren Artikel in den letzten Jahren ausnahmslos eine sehr kritische Haltung gegenüber Hugo Chávez offenbarten.

So auch in diesem Artikel, in dem es ausgehend von Venezuelas Subventionierung des Londoner Busverkehrs um die Wohltaten sogenannter „Drittweltprotagonisten“ für Bedürftige in aller Welt geht. Chávez wird dabei nicht nur als erst Schurke, dann als „Demokrator“ und schließlich als indirekt als Diktator bezeichnet. „Wo Not und Neoliberalismus wüten, da springen die vom Westen ausgegrenzten Diktatoren ein“, heißt es nach zwei Absätzen über Chávez' „internationalem Feldzug gegen die Armut“ in dem Artikel, der im Leserforum entsprechend debattiert wurde.

Und schließlich wird er auch auf eine Schurken-Stufe mit dem in Deutschland vor allem durch seine antijüdischen Ausfälle bekannten Ahmadinedschad gestellt. Der Iran ist zwar im Gegensatz zu Venezuela nicht wirklich demokratisch, der Vergleich hinkt auch in anderer Hinsicht deutlich, aber das macht ja nichts. Die Botschaft kommt rüber, das Bild prägt sich einmal mehr beim Leser ein. Erst recht, als im letzten Absatz darüber spekuliert wird, was denn wohl andere „Wohl-Täter“ in Zukunft so alles anstellen werden, Weißrusslands Präsident Lukaschenko etwa, oder Nordkoreas Kim Jong Il. Ob Londons „links-kurioser“ Bürgermeister Ken Livingstone wohl weiß, von wem er da Geschenke annimmt?


Weitere Infos:

Neuen Kommentar schreiben

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Abonnieren Sie unseren täglichen oder wöchtenlichen E-Mail-Newsletter » jetzt eintragen

Ähnliche Inhalte: Caudillo + Hugo Chávez + Die Zeit

13. Mai | Venezuela | Politik | Wirtschaft

Chávez nach Rückkehr aus Kuba optimistisch zu Wirtschaftswachstum

Chávez bei der Ankunft in Caracas

Caracas. Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat sich nach seiner Rückkehr von einer Krebstherapie in Kuba optimistisch zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes geäußert. Nach seiner Ankunft auf dem militärischen Teil des Flughafens von Caracas sagte der linksgerichtete Politiker, dass in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum erreicht werden könne. … weiter >

Venezuela prüft Austritt aus OAS-Kommission für Menschenrechte

Schriftsteller Luis Britto García

Caracas. Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat die Regierung des Landes um den "unverzüglichen" Rückzug aus der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) gebeten. Die Kommission ist wegen ihrer Zugehörigkeit zur US-dominierten Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) umstritten. … weiter >

Sechster "Amerika-Gipfel" scheitert an Streit um Kuba und Malwinen

Immerhin ein Gruppenfoto gab es am Ende

Cartagena, Kolumbien. Nach zwei Tagen heftiger Debatten und mehreren Eklats ist der sechste sogenannte Amerika-Gipfel am Sonntag ohne eine Abschlusserklärung zu Ende gegangen. … weiter >