Aktivisten und Intellektuelle beraten mit Fidel Castro

Treffen mit mit Ex-Präsidenten am Rande von Buchmesse. Thema Friedens- und Umweltpolitik

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Havanna. Kubas ehemaliger Staats- und Regierungschef Fidel Castro hat mit Intellektuellen und Aktivisten aus Lateinamerika, Europa und den USA gemeinsame Initiativen für die Friedens- und Umweltbewegung diskutiert. Bei dem "Treffen von Intellektuellen für den Frieden und den Schutz der Umwelt" in der kubanischen Hauptstadt Havanna ging es auch um die drohenden Kriege und Interventionen in Syrien und Iran. Teilnehmer aus mehreren Kontinenten haben am Rande der Internationalen Buchmesse in Havanna gemeinsame Initiativen besprochen.

An dem Treffen mit Fidel Castro im Kongresszentrum Palacio de las Convenciones nahmen rund 100 Intellektuelle und Vertreter sozialer sowie politischer Organisationen teil. Neben dem brasilianischen Dominikaner und Befreiungstheologen Frei Betto waren dies unter anderem der kubanische Anthropologe Miguel Barnet, der argentinische Politologe Atilio Borón, der ebenfalls aus Argentinien stammende Autor Miguel Bonasso sowie der Nobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel und der spanisch-französische Publizist Ignacio Ramonet. Auch mehrere Gäste aus Deutschland waren anwesend, unter ihnen Vorstandsmitglieder des Netzwerks Cuba, einem Zusammenschluss von gut 40 entwicklungspolitischen Gruppen und Solidaritätsorganisationen.

Bei der rund zehnstündigen Debatte, die von Kubas Kultusminister Abel Prieto moderiert wurde, diskutierten die Teilnehmer mit Castro vor allem Fragen der Friedens- und Umweltpolitik. Auf besonderes Interesse des inzwischen 85-Jährigen traf die deutsche Debatte um den Atomausstieg. So fragte Fidel Castro, durch welche Energieformen die Atomkraft ersetzt werden solle und inwieweit Kohle- und Gasvorkommen in Deutschland wieder genutzt werden sollten. Die Kontroverse um Atomkraft hatte zuletzt auch Lateinamerika erreicht. Nach der Erdbeben- und Nuklearkatastrophe in Japan nahmen mehrere Staaten Lateinamerikas von der Nutzung der Atomenergie Abstand, während andere daran festhalten. Zugleich kämpfen zahlreiche Länder der Region mit einer mangelhaften Energieversorgung.

Neben umweltpolitischen Fragen ging es bei dem Treffen zwischen Castro und ausländischen Gästen vor allem um die laufenden und drohenden Kriege der NATO oder einzelner ihrer Mitgliedsstaaten gegen Länder des Südens. Der Bundestagsmitarbeiter der Linkspartei und Vorsitzende des Netzwerks Cuba, Harri Grünberg, kritisierte im Gespräch mit Fidel Castro die mangelnde Kritik der europäischen Linken gegen diese zunehmend aggressive Militärpolitik. "Anders als noch in den 1960er Jahren gibt es heute bei uns keine breite Solidaritätsbewegung mit Befreiungsbewegungen oder Kritik an kolonialistischen Vorstößen", sagte Grünberg gegenüber dem Lateinamerika-Portal amerika21.de. Deswegen gehe es nun darum, eine Debatte zu beginnen, "um wieder Raum zu gewinnen". Bei dem Treffen mit Fidel Castro hatte der deutsche Aktivist einen offenen Brief lateinamerikanischer Intellektueller an Intellektuelle in Europa vorgeschlagen. Die Initiative wurde am Wochenende bei einem Folgetreffen aufgegriffen.

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