20. Mai 2012 | Brasilien | Menschenrechte | Umwelt

Mehr Eindringlinge als Indigene in Schutzgebiet

Angehörige der Awá-Volksgruppe Im brasilianischen Bundesstaat Maranhão von Auslöschung bedroht

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Brasilia. Die brasilianische Indigenenbehörde Funai hat neue Erhebungen veröffentlicht, nach denen die Volksgruppe der Awá-Indianer im Bundesstaat Maranhão massiv bedroht sind. Geschätzte 4.500 Eindringlinge – Viehzüchter, Holzfäller und Siedler – halten sich demnach derzeit illegal im Awá-Reservat auf, wobei nur 450 Awá das Gebiet bewohnen. Von der Erhebung berichtete die Menschenrechtsorganisation Survival International am Freitag. Infolge einer neuen Kampagne zum Schutz der Awá, erklärte Funais neue Präsidentin bei ihrer Antrittsrede Ende April den Schutz der Awá-Indianer zur obersten Priorität.

Um 1900 wurde die Bevölkerung der Awá auf 600 bis 1.000 Mitglieder geschätzt, heute sind es rund 450. Etwa 60 bis 100 leben noch "unkontaktiert" als nomadische Jäger und Sammler. Krankheiten und Gewalt durch die Eindringlinge haben die Awá dezimiert und bedrohen weiterhin ihr Überleben. Beinahe ein Drittel des Waldes in einem ihrer Reservate wurde durch die Holzfäller bereits zerstört.

Eine Studie der Anthropologin Eliane Cantarino O’Dwyer stellte fest, dass die Awá "einer wahren Situation des Genozides gegenüberstehen". Auch Bruno Fragoso von der Funai erklärte kürzlich: "Wenn nicht umgehend Notmaßnahmen ergriffen werden, sehen sie dem Aussterben entgegen."

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Die zahlreichen Bedrohungen unter denen die Awá zu leiden haben, sind eng mit den natürlichen Ressourcen ihrer Heimat verknüpft. In den späten sechziger Jahren wurden in den Bergen der Serra de Carajás enorme Metallreserven entdeckt. Angelockt durch die Schätze der Carajás-Mine, drangen Tausende von garimpeiros (Metallsucher), grileiros (Bodenbesetzer), Holzhändler und fazendeiros (Großgrundbesitzer) in das Gebiet der Awá ein. Es kam zu gewalttätigen Zusammenstößen, durch welche gesamte Awá-Familien getötet wurden.

Die neuen Siedler brachten Krankheiten, gegen welche das isoliert lebende Volk kaum Abwehrkräfte besaß. Funai stellte mit einigen isoliert lebenden Awá Kontakt her um sie anzusiedeln, mit fatalen Folgen für ihre Gesundheit. Erst auf Drängen der großen Investoren und Funai wurden vier Gebiete der indigenen Völker als Schutzreservate deklariert. Das neueste Schutzgebiet, das Território Awá, wurde erst 2005 demarkiert und ist am stärksten von der illegalen Abholzung betroffen.

Die Demarkation der Reservate bedeutete nicht das Ende der Probleme der Awá. Die zuständige Polizei ist an den Grenzen der Indigenengebiete kaum präsent und die neuen Erhebungen von Funai zeigen, dass bis heute Holzfäller, Viehzüchter und Siedler ungehindert in das Gebiet der Awá eindringen.

Laut Survival International erhält Brasiliens Justizminister Eduardo Cardozo derzeit rund 1.000 Protest-E-Mails pro Tag, die ihn dazu auffordern, die illegalen Eindringlinge mithilfe der Bundespolizei dauerhaft aus dem Gebiet der Awá auszuweisen.

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