Mexiko / Wirtschaft

Mexikanischer Präsident wettert gegen globales Wirtschaftsmodell

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Der mexikanische Präsident in seiner Videoansprache
Das mexikanische Staatsoberhaupt stellte Zahlen des IWF zum negativen Wirtschaftswachstum vor

Mexiko-Stadt. Der mexikanische Präsident, Andrés Manuel López Obrador, nutzt die globale Pandemie, um die Bedingungen in der Weltwirtschaft anzuprangern. Grund für die aktuelle Krise sei der Neoliberalismus, Covid-19 beschleunige lediglich den Fall des neoliberalen Wirtschaftsmodells. Die Lage in Mexiko sieht er jedoch positiv: In den kommenden Tagen sollen die Auszahlungen der Sozialsysteme beginnen und die Auflagen der Quarantäne gelockert werden. Bisher war seine Regierung eher durch ihre träge Reaktion auf die weltweite Pandemie aufgefallen.

Seit Beginn der Pandemie hatte das mexikanische Staatsoberhaupt die Krise genutzt, um das bestehende Wirtschaftsmodell zu kritisieren. Der Staat müsse seine Verantwortung ernst nehmen und eine stärkere Rolle in der Gesellschaft übernehmen. Er forderte die Weltgemeinschaft zum Umdenken auf. Internationale Akteure wie die G20 oder die Weltbank sollten ihrem eigentlichen Zweck nachkommen: die globale Zusammenarbeit für das Wohlbefinden aller Menschen zu stärken.

Die taumelnde Weltwirtschaft im Blick, wandte sich der Präsident am vergangenen Samstag per Videobotschaft an die Bevölkerung. Seiner Einschätzung nach beschleunige Covid-19 lediglich eine Krise, die durch den Neoliberalismus ausgelöst wurde. Zwar sehe er die Krise als die schlimmste seit der Großen Depression im Jahr 1929, dennoch zeigt er sich zufrieden mit den getroffenen Maßnahmen seiner Regierung.

Laut einem Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird Mexiko 6,6 Prozent an Wachstum einbüßen. Mehr als 3.000 Menschen sind bisher an der Folge einer Covid-19-Infektion verstorben. Allein im April haben 500.000 Mexikaner ihre Arbeit verloren. In den kommenden Tagen will López Obrador den Plan zur schrittweisen Aufhebung der Quarantäne in Mexiko vorstellen.

Der Präsident bekräftigte aber, dass Mexiko gestärkt aus der Krise hervorgehen werde. Dabei betonte er in seiner Ansprache die Rolle der Geldsendungen von Mexikanern im Ausland für den Wiederaufbau der Wirtschaft: Allein im März seien so vier Milliarden US-Dollar ins Land geflossen. Positiv zu bewerten sei auch der wieder steigende Preis des Erdöls, der zuletzt stark gefallen war. Zudem seien die Steuereinnahmen von Januar bis April gestiegen. Im Mai beginne die Auszahlung verschiedener Sozialprogramme und 400.000 Mikrokredite seien bereits auf dem Weg zu Kleinunternehmern, um diese in der Krise zu unterstützen.

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