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21.04.2008 Amerikas

Historischer Machtwechsel

Mitte-Links-Trend in Südamerika hält an: Befreiungstheologe Fernando Lugo gewinnt Wahl in Paraguay
Historischer Machtwechsel

Hoffnungsträger der Armen: Fernando Lugo

Asunción. Der frühere katholische Bischof Fernando Lugo hat die Präsidentenwahl in Paraguay klar für sich entschieden. Nach Auszählung von 92 Prozent der Stimmen erklärte ihn das oberste Wahlgericht zum Sieger. Damit beendet der linksgerichtete Befreiungstheologe die 61jährige Herrschaft der konservativen Colorado-Partei und wird offiziell ab Mitte August Nachfolger von Nicanor Duarte.

Laut den vorläufigen Ergebnissen entvielen auf den 56jährigen Lugo bei der Wahl am gestrigen Sonntag 41 Prozent der Stimmen. Für den Wahlsieg genügt ihm diese einfache Stimmenmehrheit. Die Kandidatin der Colorado-Partei, Blanca Ovelar, lies Lugo mit knapp 10 Prozent Vorsprung deutlich hinter sich. Die ehemalige Bildungsministerin gestand ihre Niederlage bereits ein. Auf Platz drei kam mit 22 Prozent der frühere Putschist und General im Ruhestand Lino Oviedo.

"Ich werde für die Armen und die Schwachen arbeiten, und dieses Land soll für seine Ehrlichkeit und nicht mehr für seine Korruption bekannt sein", sagte der sozialdemokratisch ausgerichtete Politikneuling nach der Wahl. In beiden Kammern des Parlaments verfehlte Lugo mit seiner Patriotischen Allianz für den Wandel (APC) jedoch eine Mehrheit. Das Mitte-Links-Bündnis besteht aus zehn Parteien und einem Dutzend sozialer Bewegungen.

In Paraguay wird das Staatsoberhaupt in einem Wahlgang für eine auf fünf Jahre begrenzte und nicht erneuerbare Amtszeit gewählt. Der scheidende Präsident Nicanor Duarte hatte vergeblich versucht, sich mit Hilfe einer Verfassungsänderung selbst erneut zur Wahl zu stellen. Den Protest dagegen hatte 2006 Lugo angeführt. Der 56-jährige Ex-Bischof wechselte noch im gleichen Jahr in die Politik.

In Lugos Wahlprogramm steht der Kampf gegen Armut und Korruption an erster Stelle. Im Wahlkampf versprach der angehende Präsident, sich für mehr soziale Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit einzusetzen, sowie eine Agrarreform durchzuführen. Obwohl Paraguay ein großer Erzeuger von Soja und Rindfleisch ist, deren Weltmarktpreise in den vergangenen Jahren explodiert sind, lebt die Mehrheit der Menschen in Armut.


Quellen:

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