Venezuela

Venezuela: Bekannter Gewerkschafter bei PdVSA gefeuert

Orlando Chirino vermutet politischen Hintergrund. Kollegen fordern Präsident Chávez zum Eingreifen auf

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Venezuela: Bekannter Gewerkschafter bei PdVSA gefeuert
Zu unbequem? - Orlando Chirino

Caracas. In Venezuela nimmt der Konflikt um die Entlassung des bekannten Gewerkschaftsführers Orlando Chirino aus dem staatlichen Energiekonzern PdVSA zu. Chirino gehört als Mitglied der Erdölarbeitergewerkschaft Sinutrapetrol der trotzkistischen Strömung innerhalb dem regierungsnahen Gewerkschaftsdachverband UNT an. Ende Dezember war ihm gekündigt worden. Gegenüber der Presse bezeichnete er seine Entlassung nun als "Akt der Diskriminierung und politischen Verfolgung". Er habe sein Leben aufs Spiel gesetzt, um die Industrie und Präsident Chávez vor dem Putsch der Opposition und des Imperialismus zu verteidigen, sagte Chirino im Hinblick auf seine Rolle während eines Putschversuches im April 2002. Nun werde ihm das Recht auf Arbeit verweigert.

Der Streit ist Ausdruck eines Flügelkampfes innerhalb der UNT. In ihr haben sich zwei Strömungen herausgebildet. Auf der einen Seite steht eine klassenkämpferische Bewegung um Orlando Chirino und Stalin Perez Borges, die sich C-CURA (Corriente Clasista, Unitaria, Revolucionaria y Autónoma) nennt. Ihr gegenüber positioniert sich die FBT (Fuerza Bolivariana de Trabajadores), die sich durch weitgehende Loyalität gegenüber der Chávez-Regierung charakterisiert.

Als Grund für seine Entlassung gibt Chirino daher auch seine Opposition gegen die bürokratischen und korrupten Praktiken in der Industrie und sein entschiedenes Eintreten für Arbeiterrechte an. Vom Arbeitsministerium und von der "bürokratischen Gewerkschaftsströmung" FSBT sei Druck ausgeübt worden, um ihn aus der PdVSA zu entfernen, beklagt er.

Andererseits hatte er sich aber im vergangenen Jahr auch bei den Kollegen der eigenen gewerkschaftlichen Strömung unbeliebt gemacht, vor allem durch seine Gegnerschaft zur mittlerweile gescheiterten Verfassungsreform, die er als "Klassenkollaboration" ablehnte. Auch wandte sich Chirino gegen den Eintritt in die Vereinigte Sozialistische Partei Venezuelas (PSUV), um dafür zu plädieren, dass die UNT mit Teilen der oppositionellen Gewerkschaft CTV fusioniert. In einer Erklärung vom Oktober 2007 hatten andere Führungspersonen in der C-CURA wie der nationale Koordinator Stalin Pérez Borges und der Koordinator für den Staat Carabobo Ismael Hernández sich von diesen Positionen distanziert. Laut Hernández werden sie von der Mehrheit der C-CURA nicht geteilt. Pérez Borges wandte sich entschieden gegen jedweden Zusammenschluss mit der CTV. Sie sei "zu hundert Prozent von imperialistischer Unterstützung abhängig". Die CTV hatte den Putschversuch 2002 unterstützt.

Dennoch erklärten beide Funktionäre zusammen mit weiteren Gewerkschaftsführern ihre Solidarität mit Chirino. "Unabhängig von der Tatsache, dass wir einige der politische Positionen von Orlando Chirino nicht teilen, verteidigen wir sein Recht, sich zu äußern, sein Recht zu arbeiten und als Gewerkschaftsführer anerkannt und respektiert zu werden". Die Entscheidung, ihn zu entlassen, sei inakzeptabel und illegal. Es sei offensichtlich, dass sie "durch Druck, Gerüchte und Intoleranz zustande gekommen ist. Dies sind die Methoden der Kollegen der FSBT, die ihre Position im Arbeitsministerium benutzt haben, um innerhalb der PdVSA eine Konspiration gegen ihren Kollegen anzuzetteln".

Die Erklärung fordert Präsident Hugo Chávez auf, sich der Angelegenheit anzunehmen und die Wiedereinstellung von Chirino durchzusetzen. Während Chirino zu internationaler Unterstützung aufruft, kündigten UNT-Kollegen eine entsprechende Kampagne von gewerkschaftlicher Seite im Land an.


Quellen:

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