Chile

Chile: Präsidentschaftswahlen beginnen

Keiner der Kandidaten wird auf Anhieb gewinnen. Stichwahl im Januar

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Chile: Präsidentschaftswahlen beginnen
Kandidaten beim gemeinsamen Fernsehauftritt

Santiago. Seit 6:30 Uhr (Ortszeit) sind in Chile die Wahllokale geöffnet. Neben dem Präsidenten werden am heutigen Sonntag die Kongressabgeordneten und die Mitglieder des Senats neu gewählt. Mehr als 8 Millionen Wählerinnen und Wähler sind zur Abstimmung aufgerufen, um 16:00 (Ortszeit, 19:00 GMT) sollen die ersten Resultate verkündet werden.

Den letzten Umfragen zufolge liegt der rechte Kandidat Sebastian Piñera mit bis zu 44 Prozent deutlich vor dem Kandidaten Eduardo Frei für das Bündnis aus Christ- und Sozialdemokraten (Concertación) und dem unabhängigen linken Kandidaten Marco Enríquez-Ominami. Damit hat die Rechte in Chile erstmals seit der Abwahl von Diktator Pinochet die Chance zu einem Wahlsieg. Seit 1989 regierte in Chile die Concertación, mithilfe derer sich Sozial- und Christdemokraten turnusmäßig bei der Ausübung des obersten Staatsamtes abwechseln.

Ein bevorstehender Wahlsieg der Rechten kann auch als Ausdruck für die Abnutzung der paktierten Demokratie in Form der Concertación interpretiert werden. Nachdem die populäre Sozialdemokratin Michele Bachelet erfolgreich regierte, musste nun mit Frei ein Christdemokrat aufgestellt werden. Gegen den umfragenstarken Rechtskandidaten versuchte Frei in den letzten Tagen das anti-diktatorische Lager zu mobilisieren. Erst letzte Woche wurde veröffentlicht, dass Freis gleichnamiger Vater, der ehemalige Präsident Eduardo Frei, durch Schergen der Pinochet-Diktatur 1981 vergiftet wurde.

Das änderte allerdings nichts an den schlechten Umfragewerten des Christdemokraten. Nach den aktuellen Zahlen wird er bestenfalls auf 30 Prozent kommen. Die einzige Veränderung in den letzten Wochen waren die sich stetig verbessernden Werte für den unabhängigen linken Kandidaten Marco Enríquez-Ominami: Von unter zehn Prozent kämpfte er sich auf inzwischen 18 Prozent in den Prognosen nach oben. Meo, wie der 36-Jährige auch genannt wird, trat aus der Sozialistischen Partei aus, die Teil von Concertación ist, und griff die etablierten Parteien und das Concertación-Regime scharf an.

Hier liegt das Überraschungspotential der aktuellen Präsidentschaftswahlen. Sollte es Meo gelingen, nah an Frei heranzukommen, könnte es passieren, dass sich bei der Stichwahl im Januar nicht der Milliardär Piñera und der Christdemokrat Frei gegenüberstehen, sondern der populäre linke Außenseiter Meo gegen die Rechte antritt - ein Szenario das Viele als chancenreich für den unabhängigen Sozialisten Meo betrachten. Die Stichwahl zwischen den beiden stärksten Kandidaten wird am 17. Januar stattfinden. Der Termin liegt in der Haupturlaubszeit der Chilenen.

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