Die 1968er-Studentenbewegung in Mexiko im Vorfeld der Olympiade

Mainz: Vortrag von Historiker und Schriftsteller Jorge F. Hernández

Zehn Tage vor Eröffnung der 19. Olympischen Spiele 1968 in Mexiko-Stadt holte die Regierung von Gustavo Díaz Ordaz, unterstützt vom Militär und den gefürchteten Granaderos, am 2. Oktober 1968 zu ihrem definitiven Schlag gegen die Ende Juli beginnenden Studierendenproteste aus. Schätzungsweise 150.000 Protestierende versammelten sich friedlich auf dem Platz der drei Kulturen. Dennoch wurden sie von mehr als 10.000 Militärs umzingelt und eingekesselt. Tlatelolco mit seinen hundertzwei Wohnblocks und etwa siebzigtausend Einwohnern sollte fortan symbolisch für das größte Massaker des zwanzigsten Jahrhunderts in Mexiko stehen, das das Land in ein „vor Tlatelolco und nach Tlatelolco“ teilte.

Wie kam es zu dieser harten Maßnahme gegen die jungen Menschen? Was waren die Forderungen der Studierenden an die Regierung? Welche Rolle spielte die Partei der Institutionalisierten Revolultion (PRI) unter Gustavo Díaz Ordaz? Was bedeuteten die Proteste für die Olympischen Spiele? Wie war die Rezeption der weltweiten 68er-Proteste in Mexiko? Welche Rolle nahmen die Intellektuellen und Künstler ein?

Über diese und andere Aspekte wird der Historiker und Schriftsteller Jorge F. Hernández referieren, um ein Panorama der Studierendenproteste von 1968 zu zeichnen, als „Mexiko sich aus dem Grabe erhob, aus seiner Lethargie erwachte und uns alle mitriss“, wie es die Grande Dame der mexikanischen Literatur, Elena Poniatowska (*1932) einmal ausdrückte.

Jorge F. Hernández, 1962 in Mexiko-Stadt geboren, ist Historiker und Schriftsteller und lebt in Madrid. Er hat bisher fünf Erzählungs- und fünf Essaybände veröffentlicht, zwei Romane, einer von beiden, La Emperatriz de Lavapiés, war Finalist des renommierten spanischen Literaturpreises Alfaguara 1998. Er unterrichtete an verschiedenen Universitäten in Mexiko. Hernández schreibt verschiedene Kolumnen, wie "Cartas de Cuévano" und "Café de Madrid" in der spanischen Tageszeitung El País und „Agua de azar“ in der mexikanischen Tageszeitung Milenio. Mit dem Thema der 68er-Bewegung in Mexiko setzt sich Jorge F. Hernández seit langer Zeit schon auseinander. Er kennt Zeitzeugen der damaligen Studentenanführer, führte viele Gespräche mit ihnen, selbst mit „Funktionären von der anderen Seite“.

Das Massaker von Tlatelolco

Nach 50 Jahren wurde nunmehr im September 2018 das Massaker an den Studierenden in Tlatelolco als Verbrechen des Staates und der Verletzung von Menschenrechten von Mexiko anerkannt. Die staatliche Kommission der Aufmerksamkeit für Opfer (CEAV) Mexikos erklärte in einer Resolution, das Massaker mit mehreren hundert Toten sei eines der tragischsten Ereignisse der jüngeren Geschichte des Landes und solle nun öffentlich aufgearbeitet werden.

Termindaten
Datum: 09.10.2018, 19:00 - 29.08.2026, 08:12
Stadt: Mainz
Veranstaltungsart: Vortrag
Veranstaltungsort: Landeszentrale für politische Bildung in Mainz, Am Kronberger Hof 6, 55116 Mainz - Anmeldung: anmeldung(at)politische-bildung-rlp.de
Veranstalter: Landeszentrale für politische Bildung in Mainz