Strategien der internationalen Solidarität mit der MST

Frankfurt/Main: Vortrag und Gespräch mit Miguel Enrique Almeida Stedile von der Nationalen Koordination der Brasilianischen Landlosenbewegung (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra- MST)

Die politische Lage in Brasilien aus der Perspektive der Landlosenbewegung (MST), und konkrete Strategien des aktiven Widerstands und der internationalen Solidarität

Vortrag und Gespräch mit Miguel Enrique Almeida Stedile von der Nationalen Koordination der Brasilianischen Landlosenbewegung (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra- MST)

*auf Portugiesisch und Deutsch*
*Eintrittt frei*

Seit der Machtübernahme des Temer Regimes 2016 durch ein umstrittenes Amtsenthebungsverfahren nimmt die Kriminalisierung und Unterdrückung von sozialen Bewegungen und das Aushöhlen der sozialen Errungenschaften der Bevölkerung drastisch zu. Die MST, Bewegung der Landlosen (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra) ist eine soziale Bewegung in Brasilien, die für Land, soziale Veränderungen und eine Agrarreform kämpft. wird von der Regierung Bolsonaros als illegale Organisation dargestellt. Inmitten der Militarisierung und Demontage der für die Agrarreform verantwortlichen staatlichen Institutionen hat die rechtspopulistische neoliberale Regierung den Dialog mit MST gebrochen und fördert eine Zunahme der Gewalt gegen Landlosen und indigene Gruppen.

Abá e.V. – Initiative für Menschenrechte in Brasilien ist ein Verein, der im Rahmen der Mobilisierungen und und Organisierung der brasilianischen Diaspora und für das Thema sensibilisierten Deutschen gegen diese in Brasilien stattfindenden Prozesse in Frankfurt gegründet wurde. Wir verstehen es als unsere politische Verantwortung in diesem Moment, uns besser auszutauschen und zu vernetzen mit den sozialen Bewegungen und bedrohten Gruppen in Brasilien, prinzipiell Indigene, AfrobrasilianerInnen, selbstorganisierte KleinbauerInnen, und LGBTQ Organisationen. Ziel ist es finanzielle und materielle Unterstützung für sie zu mobilisieren, sowie gemeinsam aktiven Widerstand gegen den derzeitigen Rechtsruck zu leisten.

In diesem Rahmen haben wir am 23. April Miguel Enrique Almeida Stedile von der Nationalen Koordination der Landlosenbewegung nach Frankfurt eingeladen. Miguel wird die Analyse der politischen Konjunktur in Brasilien aus der Perspektive der MST mit uns teilen, und uns über den derzeitigen Widerstand der sozialen Bewegungen erzählen, danach werden wir gemeinsam konkrete Strategien des aktiven Widerstands und internationaler Solidarität für die Bewegung und gegen den aktuellen Rechtsruck diskutieren und zusammen zu entwickeln.

Wir laden alle ein, die Interesse haben, die Landlosenbewegung oder die Analyse der aktuellen Situation in Brasilien aus Sicht der sozialen Bewegungen besser kennenzulernen, sowie alle, die Interesse daran haben, eine international vernetzte Unterstützungsbasis für die MST in Deutschland mitaufzubauen, z.B. die Vermarktung der Produkte der Bewegung und Informationskampagnen.

Die Bewegung der Landlosen (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra- MST) ist eine soziale Bewegung in Brasilien, die für Land, soziale Veränderungen und eine Agrarreform kämpft. Die MST wurde im Jahr 1984 gegründet und entstand aus isolierten Kämpfen von Kleinbäuer*innen, die von ihrem Land vertrieben wurden und sich gegen die auf Großgrundbesitz basierenden, feudalen Strukturen wehrten. Die Bewegung erhielt Unterstützung von fortschrittlichen Teilen aus Kirche und Gewerkschaften, die sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten aktiv waren. Derzeit sind mehr als 1,5 Millionen Menschen in etwa 1.200 Gemeinden in 23 Bundesstaaten des Landes sowie dem Bundesdistrikt in der MST organisiert. Die Bewegung umfasst rund 380.000 Familien, die sich durch Besetzungen und darauffolgende Anerkennung Zugang zu Land verschaffen konnten und in Siedlungen leben. Rund 130.000 Familien leben derzeit (noch) in Zeltlagern. Die Familien in den Zeltlagern und auch in den Siedlungen organisieren sich partizipativ und basisdemokratisch. Durch Bildung, Gesundheit, Kultur, solidarisches Handeln und im Einklang mit der Natur versuchen sie, das Leben für sich und ihre Familien zu verbessern. Mehr als 60 Genossenschaften und etwa 100 Vereinigungen treiben den Produktionsprozess der MST an und sind somit unmittelbar am Erhalt und Aufbau der Ernährungssouveränität für die brasilianische Gesellschaft beteiligt. Die MST ist Teil von La Via Campesina, einem internationalen Bündnis von mehr als 170 Bauernbewegungen aus 80 Ländern der Welt. Die Bewegung ist ein internationaler Bezugspunkt für basisdemokratische Gesellschaftsentwicklung und Kollektivarbeit. Auf dem besetzen Land arbeiten die Menschen in Kooperativen und selbstorganisierte Institutionen für Agrar-Produktion, Bildung, Gesundheit, Menschenrechten, Gender, Kultur, Kommunikationsmedien und Internationalen Beziehungen.

Termindaten
Datum: 23.04.2019, 19:00
Stadt: Frankfurt/Main
Veranstaltungsart: Vortrag und Diskussion
Veranstaltungsort: Club Voltaire, 2. Stock (Kleine Hochstraße 5, 60313 Frankfurt am Main)
Veranstalter: Abá e.V. in Kooperation mit Dikom e.V., Fair-ein e.V. und FreundInnen der brasilianischen Landlosenbewegung MST, Deutschland, e.V.
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