18. Feb 2010 | Kolumbien | Venezuela | Wirtschaft

Venezuela wird Energie-Angebote prüfen

Elektrizitätsminister: Unklare Offerte aus Kolumbien wirkt allerdings wie politisches Manöver. Energiekrise soll bis Mai überwunden werden

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Caracas. Die Regierung Venezuelas lehnt Energie-Lieferungen aus Nachbarstaaten nicht grundsätzlich ab. Sobald konkrete Angebote vorlägen, werde man diese natürlich prüfen, betonte Elektrizitätsminister Alí Rodríguez am Mittwoch (Ortszeit). In einer ersten Reaktion auf eine über die Presse lancierte Offerte aus Kolumbien hatte Venezuelas Vizepräsident Elías Jaua diese am Montag zunächst abgelehnt. Dabei hob er hervor, dass die Priorität derzeit auf der Ausweitung der nationalen Produktion läge und man bei der Bekämpfung der derzeitigen Energiekrise nicht von Kolumbien abhängig sein möchte. Die Beziehungen der Nachbarstaaten sind seit längerem angespannt.

Elektrizitätsminister Rodríguez kritisierte zudem die Form des Energieangebotes aus Bogotá. Dass Caracas von dieser Offerte aus den Medien erfuhr und bisher kein offizielles Angebot vorläge, mache die Angelegenheit unseriös. Es wirke wie ein politisches Manöver der rechtsgerichteten Uribe-Administration gemeinsam mit den Privatmedien, so der Minister. Die oppositionell gesinnten Privatmedien des Landes hatten die Reaktion des Vizepräsidenten sofort als unverantwortlich gebrandmarkt. Auch internationale Medien berichteten umgehend darüber. Spanischsprachige Nachrichtenagenturen melden nun, dass Kolumbien dieser Tage ein offizielles Angebot nachreichen wolle.

Am Sonntag hatte der kolumbianische Energieminister Hernán Martínez über die Presse bekannt gegeben, dass Bogotá zu einer Wiederaufnahme von Stromlieferungen an das Nachbarland bereit wäre. Diese waren im Dezember abrupt eingestellt worden, da Kolumbien wie Venezuela unter Energieknappheit auf Grund der andauernden Trockenheit im Norden Südamerikas leidet und angeblich seine Reserven in den Stauseen schonen wollte. Beide Staaten beziehen ihren Strom zu einem Großteil aus Wasserkraft. Durch die Dürre sind die Pegel der Stauseen stark gesunken und Wasserkraftwerke können nur eingeschränkt arbeiten.

Venezuela ist davon besonders stark betroffen, da mehr als 70 Prozent der Energieerzeugung im Land aus Wasserkraft stammt. Seit einigen Monaten wird der Strom deshalb rationalisiert und bis zu mehrere Stunden am Tag abgeschaltet. Die Wohngebiete in der Hauptstadt Caracas wurden davon allerdings bisher weitestgehend ausgespart.

In der vergangenen Woche erklärte Präsident Hugo Chávez zudem der "Energienotstand" und erklärte die Maßnahmen gegen die Krise zur höchsten Priorität für die Regierung. Nun müssen beispielsweise auch Leuchtreklamen in Caracas abgeschaltet werden. Bis Mai will die venezolanische Regierung die Normalisierung der Stromversorgung erreichen, erklärte Vizepräsident Jaua.

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