UN-Bericht zu indigenen Völkern in Lateinamerika

Indigene Gemeinschaften haben sich vergrößert. Leichte Verbesserungen der Lebenslage. 200 Konflikte zwischen Indigenen und Konzernen

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Cover des neuen Cepal-Berichts "Die indigenen Völker in Lateinamerika: Fortschritte im vergangenen Jahrzehnt und bleibende Herausforderungen für die Garantie ihrer Rechte"
Cover des neuen Cepal-Berichts "Die indigenen Völker in Lateinamerika: Fortschritte im vergangenen Jahrzehnt und bleibende Herausforderungen für die Garantie ihrer Rechte"

New York. Die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) hat während der ersten UN-Weltkonferenz zu indigenen Völkern einen detaillierten Bericht über Fortschritte und Defizite bei der Verwirklichung indigener Rechte vorgestellt. Demnach ist diese Bevölkerungsgruppe in zehn Jahren um die Hälfte angewachsen. Allgemein verbesserte sich der Zugang zum Gesundheits- und Bildungssystem, jedoch wurden auch in den vergangenen drei Jahren etwa 200 Konflikte um die Gewinnung von fossilen Brennstoffen auf indigenen Territorien registriert.

Wie die Cepal in ihrem Bericht schätzt, betrug die Anzahl der indigenen Bevölkerung Lateinamerikas im Jahre 2010 etwa 45 Millionen Menschen. Im Vergleich zum Jahr 2000 entspricht dies einem Zuwachs um 49,3 Prozent. Der indigene Anteil macht etwa acht Prozent der Bevölkerung der Region aus. Die Cepal begründet die signifikante Steigerung nicht nur mit einer dynamischen demographischen Entwicklung, sondern vor allem auch durch einen "Anstieg der Selbstidentifikation": Immer mehr Völker machten vom Selbstbestimmungsrecht Gebrauch, sich offiziell als indigen bezeichnen zu lassen.

Bolivien hat mit rund 62 Prozent der Gesamtbevölkerung den größten Anteil indigener Bürger (insgesamt 6,2 Millionen Menschen), gefolgt von Guatemala (41 Prozent, 5,9 Millionen) und Peru (24 Prozent, 7 Millionen). Die meisten Indigenen leben jedoch auf mexikanischem Staatsgebiet, nämlich 17 Millionen.

Der verbesserte Zugang zum Gesundheitssystem spiegelt sich laut dem Cepal-Bericht in der Anzahl der Entbindungen in Krankenhäusern und der gesunkenen Kindersterblichkeitsrate wider. Während Costa Rica mit rund elf Sterbefällen pro 1.000 Neugeborenen als Positivbeispiel gilt, versterben in Guatemala 55 der Kinder frühzeitig. In Bolivien erreichen geschätzt 77 von Tausend das fünfte Lebensjahr nicht, wobei der Bericht explizit auf die lückenhafte Datenlage im Andenstaat hinweist, sodass die Vergleichbarkeit der Ergebnisse in Frage steht. Erfreulich bleibe, dass die Anzahl der Schulbesucher weiterhin in allen Ländern steigt.

Für die Autoren bleibt weiterhin die große ökonomische Ungleichheit zentral. Das festgestellte wirtschaftliche Wachstum hänge stark von den natürlichen Ressourcen des Landes und internationalen Marktpreisen ab, wobei man eine schwache Verwaltung der Ressourcen beobachte, erläutert der Bericht. Die Rückkehr der Wirtschaft zum Primärsektor "hat einen starken Druck auf die Territorien der indigenen Völker verursacht und eine Vielzahl von sozio-ökologischen Konflikten freigesetzt", heißt es in dem Papier weiter. Von 2010 bis 2013 waren aufgrund von durchgeführtem oder geplantem Abbau von fossilen Energieträgern 200 Konflikte registriert worden.

Die politische Partizipation der indigenen Bevölkerung ist in Bolivien am deutlichsten umgesetzt worden. Im Hinblick auf die parlamentarische Repräsentation gibt die Cepal an, seien etwa 32 Prozent der Volksvertreter indigene Personen. Außer in Guatemala (mit zwölf Prozent) liegt dieser Wert überall in der Region deutlich unter zehn Prozentpunkten.

Die indigene Gemeinschaft Lateinamerikas zählt heute 826 verschiedene Völker. Der Vorgängerbericht der Cepal aus dem Jahre 2007 erwähnte damals nur 642.

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