Toter und Verletzte bei Protesten gegen Erdgaskonzern in Peru

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Landschaft von Pichanaki
Landschaft von Pichanaki

Pichanaki, Peru. In Zentralperu ist bei Zusammenstößen mit der Polizei ein Mensch ums Leben gekommen, 75 weitere wurden verletzt. Die Einwohner der Stadt Pichanaki protestieren seit Anfang vergangener Woche gegen die Aktivitäten der argentinischen Erdölfirma Pluspetrol. Als Reaktion auf die Ereignisse stellte die peruanische Regierung dem Unternehmen ein Ultimatum, nach dem es binnen drei Tagen die Region zu verlassen habe.

Seit dem 9. Februar finden in Pichanaki Demonstrationen statt, die sich gegen die Gaserkundung Pluspetrols und die damit einhergehende Umweltzerstörung richten. Zugleich blockierten Protestierende mehrere wichtige Zufahrtsstraßen in die Stadt. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch eskalierten die Proteste beim Versuch, eine Militärbasis zu stürmen, in der Pluspetrol logistische Unterlagen zur Gasexploration aufbewahrt. Bis in die frühen Morgenstunden hielten die Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten an, in deren Verlauf drei Demonstranten mit Schussverletzungen in umliegende Krankenhäuser gebracht wurden, darunter auch ein 22-jähriger Student, der noch während des Transports verstarb.

Der Hochkommissar der Region, José Luis Álvarez, bezeichnete das repressive Vorgehen der Polizei als "Abschreckungsreaktion" gegen den Versuch, die Militärbasis zu stürmen. Er erklärte weiter, dass die Proteste Produkt einer Desinformationskampagne seien, die Pluspetrol Umweltzerstörung unterstelle. Dies sei falsch, da Pluspetrol in der Region lediglich Studien durchführe, um Gasvorkommen zu verifizieren, und darüber hinaus keinerlei Aktivitäten nachginge.

Es ist jedoch zu erwarten, dass die Studien Pluspetrols nur ein erster Schritt zur Erschließung und Ausbeutung möglicher Gasvorkommen in der Region sind. Würde Gas gefunden werden, würde dieses auch gefördert werden, was zu nachhaltigen Umweltzerstörungen führen könnte. Der Protest der Einwohner Pichanakis setzt somit an einen Punkt an, an dem es noch Möglichkeiten gibt, die drohende – und in anderen Regionen Perus, in denen Pluspetrol aktiv ist, real existierende – Umweltzerstörung bereits im Vorfeld zu verhindern.

Am 12. Februar kündigte der Energieminister Eleodoro Mayorga in einer Fernsehansprache an, auf die Forderungen der Protestierenden einzugehen, und setzte ein Ultimatum von drei Tagen fest, in denen Pluspetrol Zeit hat, die Region zu verlassen. Ein Sprecher Pluspetrols verkündete daraufhin, das Unternehmen verlasse die Region unabhängig vom Ultimatum, da sie mit der Arbeit dort fertig seien. In anderen Regionen Perus wird das Unternehmen jedoch weiterhin aktiv sein. Seit drei Wochen halten Hunderte Indigene im Norden des Andenlandes mindestens 14 Ölfelder und mehrere wichtige Zufahrtsstraßen besetzt. Sie fordern Entschädigungen für die Nutzung ihrer Ländereien sowie die bei der Erdölförderung entstandenen Umweltschäden.

Für kommenden Donnerstag ist ein Treffen zwischen Regierungsvertretern und Repräsentanten Pichanakis geplant, bei dem über die Forderungen der Protestierenden verhandelt werden soll. Diese verlangen die Revision des Vertrags mit Pluspetrol und eine objektive Untersuchung der Beschwerden über Umweltzerstörung.

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