Chile / Wirtschaft

Chile baut erstes geothermisches Kraftwerk Südamerikas

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Die Bohrungen bei den heißen Quellen in der Nähe des Vulkans El Tatio wurden wieder abgebrochen
Die Bohrungen bei den heißen Quellen in der Nähe des Vulkans El Tatio wurden wieder abgebrochen

Ollagüe, Chile. Rund 1.377 Kilometer nördlich von Santiago de Chile beginnen In Ollagüe, Antofagasta, die Bauarbeiten für das erste geothermische Kraftwerk Südamerikas. Das Projekt "Cerro Pabellón" gehört zu 51 Prozent der italienischen Firma Enel Green Power und zu 49 Prozent dem chilenischen Staatskonzern ENAP. Es wird in einer Höhe von 4.500 Meter über dem Meeresspiegel auf der andinen Hochebene in der Region Antofagasta durchgeführt.

In geothermischen Kraftwerken wird Energie aus Erdwärme gewonnen. Bei dem Verfahren wird Wasser tief in den Erdboden gepresst, wo es sich an heißem Gestein erhitzt. Zurück an die Erdoberfläche gepumpt, gibt das warme Wasser über einen Wärmeträger Dampf ab, der über eine Turbine Strom erzeugt. Das Verfahren ist nicht unumstritten. Zwar erzeugt es keinen Smog und kein CO2, doch kann das in den Erboden gepresste Wasser Gesteinsschichten verschieben und Erdbeben auslösen. Chile ist ein Land, das immer wieder von schweren Erdbeben betroffen ist. Das Verfahren kann auch unkontrollierbare Gase freisetzen.

Die Einwohner der in der Nähe des Projekts gelegenen Gemeinden haben sich mit dem geothermischen Zentrum einverstanden erklärt, "solange es nachhaltig gestaltet ist und den Gemeinden zugutekommt". "Es sollte jedoch mit Respekt vor unseren Traditionen durchgeführt werden", sagte Luisa Terán von der Gemeinde Caspana. Die überwiegend indigenen Gemeinden haben ein Abkommen mit ENAP und Enel durchgesetzt, das die Durchführung sozialer Projekte in den Gemeinden als Ausgleichsleistung vorsieht.

Allerdings gibt es aus den angrenzenden Gemeinden auch viele Stimmen, die Kritik und Sorgen ausdrücken. "Es kann nicht sein, dass man Kilometer in die Erde bohrt, und nichts passiert", sagte ein Bürger aus San Pedro de Atacama.

Bisher wurden 60 Millionen Dollar (circa 53,75 Millionen Euro) in die Erkundungsphase investiert, für die nächste Phase sind 320 Millionen Dollar (286,71 Millionen Euro) vorgesehen, hauptsächlich für die Verlegung einer 73 Kilometer langen Leitung zum nationalen Energieverbundnetz. 2017 soll das Kraftwerk dann den Betrieb aufnehmen und 340 Gigawattstunden Strom im Jahr produzieren. Damit sollen 154.000 chilenische Haushalte versorgt werden (Laut dem 2012 durchgeführten Zensus hat Chile 5.035.637 Haushalte). Zum Vergleich: 2014 produzierte die Windkraft zu Land und See in Deutschland insgesamt 55.000 Gigawattstunden Strom.

"Das Projekt ist von gigantischer Wichtigkeit für Chile, das schon seit über 40 Jahren zur geothermischen Erforschung Bohrungen durchführen", sagte der CEO der staatlichen Energiefirma ENAP, Marcelo Tokman. Das südamerikanische Land war eines der ersten Länder weltweit, das geothermische Untersuchungen durchführte. Chile hat aufgrund seiner vulkanischen Topografie das größte geothermische Potenzial Lateinamerikas. Laut der Universidad de Chile könnten mit geothermischer Energie 91 Prozent der aktuellen Energiemenge erzeugt werden.

Bereits 2008 hat die italienische Firma Enel die Erlaubnis bekommen, in der Nähe des Vulkans El Tatio in der Region Antofagasta Explorationen durchzuführen. Nachdem im September 2009 eine Wasserdampffontäne von 60 Meter Höhe fast drei Wochen lang aus einem der Schächte schoss, entzog die Regierung der Firma die Bohrerlaubnis. 

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