Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zu Besuch in Chile und Kolumbien

Chilenische und kolumbianische Märkte versprechen ein großes wirtschaftliches Potenzial, das vor allem für Unternehmen aus NRW interessant ist

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Präsident Santos heißt Ministerpräsidentin Kraft in Kolumbien willkommen.
Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in Bogotá.

Santiago/Bogotá. Die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft (SPD), besucht derzeit Südamerika. Ziel der Reise, bei der sie von Wirtschaftsminister Garrelt Duin sowie 30 Unternehmern und Wissenschaftlern begleitet wird, ist der Ausbau wirtschaftlicher Beziehungen mit Chile und Kolumbien.

Vor der Reise, die am 21. November zunächst nach Chile ging, sagte Duin in einer Pressemitteilung: "Die Märkte in Südamerika bieten der nordrhein-westfälischen Wirtschaft großes Potenzial für eine enge Zusammenarbeit." Auch die Ministerpräsidentin betonte die "hervorragenden Chancen", die sich mit einem Ausbau chilenischer Partnerschaften für Unternehmen in Nordrhein-Westfalen (NRW) ergäben. Der Andenstaat sei eines der "wirtschaftsstärksten Länder".

Chile lag 2014 mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 23.100 US-Dollar an der Spitze Lateinamerikas. Mit rund 36 Prozent verfügt das Land weltweit über die meisten Kupferreserven, entsprechend ist es marktführend in der Produktion dieses Rohstoffes, ebenso bei der Gewinnung von Lithium. Beides findet unter anderem in der Elektro- und Computertechnik Anwendung. Auch der Abbau von Jod, Rhenium, Molybdän und Salz ist für das Land wirtschaftlich von Bedeutung. Der Bergbau macht 50 Prozent aller chilenischen Exporte aus und ist mit fast 15 Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt der stärkste Wirtschaftszweig. Die Energie-Agentur NRW informiert auf ihrer Internetseite, dass gerade hier in den kommenden Jahren "milliardenschwere Investitionen" anstünden. Die Agentur sieht damit eine Steigerung unternehmerischer Interessen in den Bereichen Energie, Infrastruktur, Hafenlogistik und Bau voraus.

Neben der Eröffnung der chilenischen Wirtschaftstage am 24. November in Santiago de Chile unter dem Motto "Auf dem Weg zur Industrie 4.0", bei denen NRW dieses Jahr Partnerland ist, stand auf der Agenda der Ministerpräsidentin auch ein Treffen mit Präsidentin Michelle Bachelet und Senatorin Isabel Allende. Die Delegation besuchte außerdem die Start-Up-Initiative "Chilecon Valley", die Chile seit 2010 mit Hilfe ausländischer Investoren zu einer Marke für Innovation und Technologie in Lateinamerika machen soll.

Vor ihrer Weiterreise am 25. November nach Kolumbien, zog Kraft ein positives Resümee ihres Besuches in Chile. Man werde die Kontakte weiter vertiefen, um daraus erfolgreiche Geschäfte werden zu lassen, hieß es.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos zeigte sich erfreut über das Interesse nordrheinwestfälischer Unternehmen an seinem Land. Sie seien mehr als willkommen, so Santos.

Das Interesse Nordrhein-Westfalens an erfolgreichen Friedensverhandlungen der kolumbianischen Regierung mit der Guerilla Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Farc) sei groß, hatte Kraft im Vorfeld ihrer Reise betont. Sie sprach in diesem Zusammenhang von einem wirtschaftlichen "Aufbruchsignal" und von den "guten Marktpotenzialen" Kolumbiens. In Bogotá stand zunächst ein Wirtschaftsgespräch über die Rahmenbedingungen für Investitionen vor allem in den Bereichen Infrastruktur, Energie und Anlagenbau auf der Agenda.

Das dürfte ganz im Sinne der Regierung Santos gewesen sein, die seit 2010 auf die sogenannten fünf Lokomotiven der kolumbianischen Wirtschaft setzt: Infrastruktur, Wohnraum, Landwirtschaft, Innovation sowie Bergbau- und Energiewesen. Seitdem flossen 87,14 Prozent der Investitionen in diese Bereiche, um Wachstum und Wettbewerb des Landes zu steigern. Davon gingen allein 44 Prozent an den Bergbau- und Energiesektor.

Nach mehr als 50 Jahren bewaffnetem Konflikt streben Regierung und Farc-Rebellen in Kolumbien einen Friedensvertrag an, der schon im März nächsten Jahres unterzeichnet werden könnte. Damit wird dem Land zugleich ein Anstieg ausländischer Investitionen prognostiziert. Unternehmen aus NRW könnten dem Friedensprozess mit seinem technischen Know-how und seinen Produkten dienlich sein, so Kraft.

Die NRW-Delegation wird vor ihrer Rückreise nach Deutschland am 29. November noch die für ihre "innovative Planung" bekannte Stadt Medellín besuchen. Hier interessiert man sich vor allem für Verkehrsstrategien, Stadteilentwicklung und Quartiersplanung, wofür Medellín 2013 den Innovation City-Preis bekam.

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