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NGO: Investitionen von Pensionskassen führen zu Vertreibung in Brasilien

Titelbild der Studie von Fian

Titelbild der Studie von Fian

Quelle: Fian

Berlin. Die in Berlin ansässige Menschenrechtsorganisation Fian Deutschland hat am Mittwoch beklagt, dass internationale Investmentfonds und Pensionskassen die Existenz ländlicher Gemeinden im Nordosten Brasiliens gefährden. Die massive Ausweitung der Agrarwirtschaft in der Region Matopiba – einer Fläche von rund 73 Millionen Hektar in den Bundesstaaten Maranhão, Tocantins, Piauí und Bahía – schädige lokale Ökosysteme und bedrohe die Lebensgrundlagen der Bevölkerung, heißt es in einer Presseerklärung der Organisation. Auch führe der Ausbau der industriellen Landwirtschaft, vor allem von Soja, zu extremer Entwaldung. "Die Matopiba-Region beherbergt rund fünf Prozent der weltweiten Biodiversität und ist somit ökologisch ebenso wichtig wie das Amazonasgebiet", schreibt Fian.

Pensionsfonds aus den USA und Europa hätten zugleich Hunderte Millionen US-Dollar in brasilianisches Ackerland investiert. "Allein der US-amerikanische Investor TIAA, in den unter anderem die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe, der Pensionsfonds AP2 der schwedischen Regierung sowie der niederländische Pensionsfonds ABP investiert haben, hat in Brasilien fast 300.000 Hektar Agrarflächen gekauft", so Fian unter Bezugnahme auf eine eigene Studie zum Thema: "Die Fonds sind zwar nicht selbst an der Vertreibung der örtlichen Bevölkerung beteiligt, aber sie sind ein wesentlicher Bestandteil dieser destruktiven Entwicklung." Schließlich profitierten die Pensionskassen unmittelbar von Bodenspekulation und steigenden Grundstückspreisen, kritisierte Philip Seufert von der deutschen Sektion von Fian International.

Die Heimatstaaten der Fonds – darunter Deutschland – hätten es versäumt, eine wirksame Regulierung zum Schutz von Umwelt und Menschenrechten einzuführen. Stattdessen setzten sie auf freiwilliges Engagement der Investoren. "Ein solcher Ansatz überlässt die Rolle des Schiedsrichters ausgerechnet denjenigen Akteuren, die in schwere Menschenrechtsverletzungen verwickelt sind. Hierdurch verletzen die beteiligten Staaten ihre menschenrechtlichen Pflichten. Die Renten in den USA und Europa dürfen nicht auf dem Rücken ländlicher Gemeinden in Brasilien gesichert werden!", so Seufert weiter.

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