Brasilien: Präsident eines Bauernvereins und MST-Mitglied ermordet

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Der Präsident eines Bauernverbandes, Gilson Maria Tampone, wurde am vergangenen Wochenende im Bundesstaat Pará ermordet
Der Präsident eines Bauernverbandes, Gilson Maria Tampone, wurde am vergangenen Wochenende im Bundesstaat Pará ermordet

Placas. Der Präsident des Bauernvereins Nova Aliança (Neue Allianz) in Placas im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará, Gilson Maria Tampone, der auch Mitglied der Landlosenbewegung MST war, wurde am Samstagmorgen in seinem Zuhause ermordet. Laut der Ehefrau des Opfers hatten zwei Männer ihn mit drei Schüssen an seiner Haustür getötet. Die Verdächtigen konnten anschließend fliehen. Die Zivilpolizei leitete bereits Ermittlungen ein. Nova Aliança bringt rund 600 Familien zusammen, die unter prekären Bedingungen leben und auf eine Entscheidung über ihre Landregulierung warten.

Seit 2008 kämpfte Tampone mit der Regierungsbehörde "Nationales Institut der Kolonialisierung und Agrarreform" (Incra) um die Landregulierung. Häufig verhandelt der Staat über die Incra mit eingetragenen Vereinen oder Zusammenschlüssen, die zum Ziel haben, als Gemeinschaft in der Siedlung zu leben.

Laut Leonardo Carvalho, Präsident des Instituts "Grüner Boden", das Siedlungen in Umwelt- und Landregulierungsangelegenheiten unterstützt, würden viele solcher Verbrechen fortdauern, solange die Regierung schweige und Incra ihre eigentliche Rolle nicht einnehme. "Diese Vernachlässigung der derzeitigen Regierung bei den Siedlungen und Kleinbauern ist inakzeptabel. Solange die Regierung es versäumt, Hilfe zu leisten, werden wir leider weiterhin hemmungslose Gewalt auf dem Land beobachten", sagte er. Den Ermittlungen zufolge hatte das Opfer bereits zuvor berichtet, bedroht worden zu sein. Vor etwa einem Jahr zog er aus der Gemeinde Placas aus, da er um das Leben seiner Familie fürchtete.

Besorgniserregend ist im Zusammenhang mit dem Mord an Tampone, dass der designierte Präsident Jair Bolsonaro selbst unmittelbar vor der Wahl angekündigt hatte, das Land von politischen Gegnern zu "säubern". Im ersten Interview nach seinem Wahlsieg erklärte er, Aktionen der Landlosenbewegung MST und der Bewegung der Wohnungslosen werde er als Terrorismus verfolgen lassen.

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