Brasilien / Soziales

Brasilien: Erste Frau, Indigene und Feministin mit Coral-Belt im Brazilian Jiu Jitsu

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Yvone Duarte trägt nun als erste Frau im Brazilian Jiu Jitsu den Coral-Belt
Yvone Duarte trägt nun als erste Frau im Brazilian Jiu Jitsu den Coral-Belt

Brasília. Yvone Duarte hat als erste Frau den schwarz-roten Gurt im Brazilian Jiu Jitsu erhalten. Sie ist damit die höchstgraduierte Frau in einem Kampfsport, der weiblichen Personen lange verwehrt war. Schon seit Jahren setzt sie sich für die Förderung von Frauen und LGBTIQ* Personen im Kampfsport ein.

Duarte begann bereits in jungen Jahren Brazilian Jiu Jitsu (BJJ) zu trainieren. Aufgewachsen ist sie in Roraima im Norden Brasiliens. Im Alter von 14 Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Rio den Janeiro und trainierte dort im ersten BJJ Frauen-Team des Landes. Zu dieser Zeit war die Szene noch dominiert von der konservativen Gracie-Familie, welche den Sport in Brasilien bekannt gemacht hatte. Frauen waren damals im Kampfsport noch ungern gesehen und mussten sich immer wieder dafür einsetzen, Anerkennung auf der Matte zu bekommen.

Dies führte jedoch zum Erfolg: bereits im Jahr 1985 fand der erste Wettkampf mit Frauen-Kategorien statt. Im Jahr 1990 erhielt Duarte als erste Frau überhaupt im BJJ ihren Blackbelt. Nun erhielt sie 30 Jahre später im Alter von 58 Jahren, den sogenannten Coral-Belt. Der schwarz-rote Gurt, welcher auf den schwarzen Gurt folgt, wurde bisher nur von Männern im Kampfsport getragen.

Duarte feiert ihre Graduation als einen großen Sieg für alle Frauen im Kampfsport. Auf Instagram schreibt sie: "Das Jiu Jitsu hat eine Frau als Coral-Belt. Dieser Einschnitt ist einer von allen Frauen im BJJ. Es ist ein gemeinschaftlicher Erfolg, wichtig für uns alle, die wir uns der sanften Kunst widmen."

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"Die sanfte Kunst" – so bezeichnen einige Athlet:innen ihren Sport. Ein Sport, in der auch körperlich unterlegene Personen den Kampf gegen körperlich überlegene Gegner:innen gewinnen können. Ein Sport, der proklamiert, für alle offen zu sein. Ein Sport, der in den vergangenen Jahren jedoch auch immer wieder durch Berichte von Übergriffen, sexueller Gewalt und Belästigung auf und neben der Matte negativ auffiel.

Auch Duarte wurde in den vielen Jahren ihrer Karriere immer wieder mit diesen Problematiken konfrontiert. Nachdem es 2016 zu einem Femizid an der Universität von Brasília gekommen war, entschied sie sich, Selbstverteidigungskurse für Frauen und Mitglieder der LGBTIQ-Community anzubieten. "Wenn alles schief geht, bleibt nur der physische Kampf als einzige Chance solchen Situationen zu entfliehen", merkte sie in einem Interview an.

Duarte ist Indigene, Mutter, Großmutter und bezeichnet sich selbst als Feministin. "Ich habe Jiu Jitsu schon in verschiedenen Formen gelebt, als Athletin, als Mutter, als Lehrerin. Heute sehe ich das Jiu Jitsu als eine Form, Frauen zu stärken, sie sicherer und selbstbewusster zu machen", erklärte sie. Jedoch macht sie sich nicht nur dafür stark, dass Frauen mehr Wertschätzung im Kampfsport erleben. Sie fordert stattdessen auch, dass Trainer, die übergriffig gegenüber Frauen geworden sind, ihres Amtes enthoben werden. Sie sollten nicht weiter unterrichten dürfen und stattdessen die Konsequenzen für ihr Handeln tragen müssen. Eine Forderung, die bisher noch immer in den meisten Trainingsstädten keine Normalität ist.

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