Iranduba. Während eines Besuchs bei der indigenen Gemeinschaft Sahu-Apé im Bundesstaat Amazonas hat Bildungsminister Camilo Santana den Bau von 117 neuen Bildungseinrichtungen angekündigt. "Wir wissen, dass das Land noch immer sehr ungleich ist, und das gilt auch für das Bildungswesen. Brasilien hat noch immer eine große Schuld gegenüber der indigenen Bevölkerung. Wir bauen 117 Schulen mit Voraussetzungen für eine würdige, qualitativ hochwertige Bildung, in denen die Schüler in den Pausen spielen können", so Minister Santana.
Finanziert wird die Initiative mit 785 Millionen Reais (etwa 130 Millionen Euro) aus dem neuen nationalen Programm zur Wachstumsbeschleunigung (PAC). Das Projekt ist Teil des Schwerpunktes Bildung, Wissenschaft und Technologie. In 14 der 26 Bundesstaaten sollen neue Schulen entstehen.
Nach Angaben der Regierung reagiert das Projekt auf eine langjährige Forderung indigener Gemeinden nach eigener schulischer Infrastruktur, die ausgebaut und verbessert werden soll. Dabei sollen die kulturelle Identität, die Lebensweise und die territoriale Organisation der indigenen Gemeinschaften berücksichtigt werden.
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Das Bildungsministerium will die Standorte nach technischen, territorialen und bevölkerungsbezogenen Kriterien auswählen. "Jetzt müssen wir uns beeilen, damit wir diese Schulen, die mit den Gemeinden besprochen wurden, so schnell wie möglich fertigstellen können. Sie folgen einem besonderen Standard, der an die lokalen Gegebenheiten angepasst ist, damit wir unseren indigenen Völkern und Gemeinden in Brasilien eine qualitativ hochwertige Schule bieten können", erklärte Santana.
Die indigene Schulbildung in Brasilien ist eine spezifische und differenzierte Form der Bildung. Sie wird unter anderem durch die Bundesverfassung von 1988 und durch die ILO-Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) geschützt. Ziel ist es, Sprache, kulturelle Identität und Perspektiven der jeweiligen Ethnien zu bewahren und die Selbstorganisation der Gemeinschaften zu stärken. Nach Angaben des Zensus bieten 3.597 der insgesamt 178.300 Grundschulen im Land indigene Bildung an, das sind rund zwei Prozent.

