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03.07.2008 Kolumbien

Zur Person: Ingrid Betancourt

Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) hatten Ingrid Betancourt 2002 während einer Wahlkampftour entführt

Die Kandidatin der grünen Partei ließ es sich trotz Warnungen nicht nehmen, in das von der Guerilla kontrollierte Gebiet zu fahren. Eine Einheit der FARC nahm sie und ihre Begleiter fest. Seitdem war die inzwischen 46jährige Franko-Kolumbianerin eine von rund 50 politischen Gefangenen der Rebellen.

Die FARC wollte Betancourt und die anderen Politiker gegen 500 gefangene Guerilleros austauschen. Die Gespräche über einen humanitären Austausch kamen Mitte 2007 wieder ins Laufen, nachdem Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe seinem venezolanischen Amtskollegen Hugo Chávez und der linksliberalen kolumbianischen Senatorin Piedad Córdoba ein Mandat für Vermittlungen erteilt hatte. Um die Bereitschaft der FARC auf die Probe zu stellen, verlangte Bogotá ein Lebenszeichen von Betancourt. Das kam nach einigen Monaten in Form einer Videoaufnahme der inzwischen apathisch wirkenden Politikerin. Seither tauchten weitere Informationen auf, wonach Betancourt unter anderem schwer an Hepatitis B erkrankt ist. Einem Gerücht zufolge war sie in einen Hungerstreik getreten.

Ingrid Betancourt stammt aus einer einflussreichen Familie in Bogotá. In Frankreich, wo der Vater Kolumbien lange Jahre vor der UNESCO vertrat, studierte sie Politikwissenschaften und heiratete einen französischen Diplomaten. Seitdem besitzt sie beide Staatsangehörigkeiten. Aus der ersten Ehe gingen zwei Kinder hervor. 1990 heiratete sie den kolumbianischen Kolumnisten Juan Carlos Lecompte. Zu dieser Zeit war sie bereits als Gründerin der Ökopartei "Oxigeno Verde" (Grüner Sauerstoff) bekannt.

Bekannt wurde die Politikerin durch ihre oft polemischen Attacken gegen Korruption. Auf diese Weise versuchte sie, sich jenseits der traditionellen Eliten eine neue Machtbasis zu schaffen. Dass sie sich damit unter der politischen Elite keine Freunde machte, wurde schnell klar. Nachdem sie im Parlament in Bogotá im Juni 1996 eine mehrstündige Rede gehalten hatte, fand Betancourt in ihrer Post das Foto einer zerstückelten Kinderleiche. Nur wenige Wochen später wurde ihr Wagen in einen Hinterhalt gelockt und beschossen. Der Weg zur Präsidentschaft endete abrupt mit der Entführung 2002.

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hätte mehr über ihren Gesundheitszustand wissen können. Aber seit der Ermordung des FARC-Kommandanten Raúl Reyes Anfang März war die Verbindung abgebrochen. "Wir haben seither keine Nachrichten mehr von Ingrid", sagte der Präsident. Die kolumbianische Armee hatte Reyes und 23 seiner Begleiter in einem Lager in Ecuador ermordet.


Den Originaltext der Tageszeitung junge Welt finden Sie hier.

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