Costa Rica / Politik

Unabhängigkeit Jahrzehnte am falschen Tag gefeiert?

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Republik der Vereinigten Provinzen Zentralamerikas
Republik der Vereinigten Provinzen Zentralamerikas

San José. In Costa Rica versucht ein Geschichtsprofessor mit rund 600 Unterstützern den Tag der Unabhängigkeit zu verschieben. Miguel Rojas beruft sich in seiner Argumentation auf eine Unabhängigkeitserklärung die am 29. Oktober 1821 in Cartago, der damaligen Hauptstadt Costa Ricas, unterzeichnet wurde.

Bisher wird in Costa Rica am gleichen Tag wie in Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua die Unabhängigkeit von Spanien gefeiert. Als Anlass wird die Unabhängigkeitserklärung des Generalkapitanats Guatemala von Spanien am 15. September 1821 herangezogen. An diesem Tag schloss sich das Generalkapitanat, zudem damals auch der heutige südmexikanische Bundesstaat Chiapas gehörte, dem unabhängigen Kaiserreich Mexiko an und erklärte sich dadurch von Spanien unabhängig. Schon im Jahr darauf traten die Staaten des ehemaligen Generalkapitanats, mit Ausnahme von Chiapas, wieder aus und proklamierten die Republik der Vereinigten Provinzen Zentralamerikas.

Der Geschichtsprofessor Miguel Rojas wirft Guatemala vor, Druck auf Costa Rica ausgeübt zu haben, um den gemeinsamen Unabhängigkeitstag nach dem Austritt aus der Republik der Vereinigten Provinzen Zentralamerikas 1838 zu akzeptieren. Aufgrund der schwierigen Kommunikation zwischen Costa Rica und Guatemala ist es tatsächlich fragwürdig ob Costa Rica bereits am 15. September 1821 einer Unabhängigkeit zugestimmt hat.

Die derzeitige Debatte kann aber auch vor dem wachsenden Nationalismus in Costa Rica gelesen werden. Durch das Ändern des Unabhängigkeitsdatums versucht sich Costa Rica weiter von seinen unmittelbaren Nachbarstaaten abzusetzen und seine Eigenständigkeit zu betonen.

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